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Johannes Schulze und das höhere preussische Unterrichtswesen in seiner Zeit
Entstehung
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40 Erstes Buch. Zweites Capitel.

Boeckh, damals vorzugsweise mit Platonischen Studien be-schäftigt, pflegte sich an jedem Sonnabend mein ausgearbeitetesHeft abzuholen und sich dadurch in näherem Zusammenhangmit Schleiermachers Vortrag zu erhalten. Die Vorlesung um-fasste die Lehre vom höchsten Gut und zwar mittels derorganisirenden und der erkennenden Thätigkeit, die Tugend-und die Pflichtenlehre und lenkte meine Aufmerksamkeit aufdie Ethik Spinozas." Auch im folgenden Sommer folgte Schulzemit lebhaftem Interesse Schleiermachers Vorträgen; in derPortsetzung seines im Winter gehaltenen Collegs behandeltedieser jetzt speciell die christliche Ethik; ausserdem beganner die Erklärung des neuen Testaments und gab in einemPublicum eine Einführung in die Kirchengeschichte. Und ebenin diesem Semester gelang ihm auch durchzusetzen, wofürer, seit er 1804 nach Halle berufen war, sich unablässig be-müht hatte, die Einrichtung eines Universitäts-Gottesdienstes.Als er ihn an Königs Geburtstag, am 3. August 1806 eröff-nete, war die Kircheungeheuer angefüllt"; nahm dann auchdas Gedränge ab, so durfte er doch freudig berichten, dasser dauernd ein auserlesenes und nicht unbedeutendes Publicumvon akademischen Jünglingen vor sich sah und die bestenunter ihnen sich am liebsten einfanden. Er selbst hatte einwohlthätiges Gefühl von dem Segen, der auf diesen Vor-trägen ruhte; auch Schulze hebt ausdrücklich hervor, dassdurch sie ein neues fruchtbringendes Element in das aka-demische Leben kam".

Nichts von einer kanzelentweihenden Bigotterie, nichtsvon der Kanzelcoquetterie, nichts von gesuchter Aufklärungs-sucht, die ruhigste reinste Begeisterung" fand ein Alters-genosse Schulzes, der Bremer Adolf Müller, in SchleiermachersPredigt*). Aber noch enthusiastischer und anschaulicher schil-dert er in seinen eingehenden Briefen in die Heimath dessenprivaten Verkehr mit seinen Zuhörern; hier erschien er seinembewundernden Schüler alsdas genievollste Gemisch von Be-griffsbestimmtheit, Ideenfülle und unbewusstem Hingeben ins

*) S. Müllers aus Vainhagens Nauhlass 1874 herausgegebeneBriefe von der Universität in die Heimath" S. 182. Die im Folgendenangeführten Sätze s. ebenda S, 199 und 288.