Schüler Wolfs. 33
bedeutungsvoll geworden, die er hier mit Böckk geschlossenhat; ausserdem trat ihm von den Seminaristen Karl Köpkebesonders nahe, der, wie Bekker auf dem Berliner Gymnasiumzum grauen Kloster gebildet, 1804 nach Halle gekommenwar*). Im Sommer 1805 Hess Wolf von ihnen im SeminarPindar interpretiren. Schulze erfuhr dabei sofort, wie derMeister Unberufenen entgegentrat. Ein Student, der sichzur Aufnahme gemeldet hatte, sollte eine Probeübung überdie erste Olympische Ode halten; er begann und las ccqlötov[lbv vS<oq; mit verdriesslicher Miene corrigierte ihn Wolf;er blieb nichtsdestoweniger bei seinem oLqlgtov, da schlugWolf in heftiger Bewegung seinen Pindar zu und verliessschweigend das Zimmer. Auch beim Beginn einer Vorlesungäusserte er einmal durch wiederholtes Husten und Räuspernein unbehagliches Gefühl; Köpke, der damals sein Fiscalwar, wusste ihn für die Zukunft davon zu befreien, indemer die Plätze an einem kleinen Tisch unmittelbar vor demKatheder an Hörer vertheilte,' die Wolf persönlich bekanntund ihm nicht unangenehm waren; an diesem Tisch hatneben Köpke, Varnhagen von Ense und dessen Freund Neu-mann auch Schulze gesessen.
Er besuchte ausser dem Seminar fast alle Collegien Wolfs;dieser hatte für den Sommer 1805 ein Privatissimum überNumismatik und zwei Privatvorlesungen über römische Alter-thümer und philologische Encyclopädie angekündigt. Aufletztere legten bekanntlich er und seine Zuhörer besondernWerth; er hat sie nicht weniger als neunmal, eben 1805zuletzt in Halle gehalten; aus ihr ist seine „Darstellung derAlterthumswissenschaft nach Begriff, Umfang, Werth undZweck" hervorgegangen; auch Schulze ist durch sie ammeisten angeregt und befriedigt. Es war wohl dieses Colleg,dem Goethe, als er im Juli 1805 nach Halle kam, hintereiner Tapetenthür mehrmals beiwohnte, wo er „denn alles,was er von Wolf erwarten konnte, in Thätigkeit fand: eineaus der Fülle der Kenntniss hervortretende freie Ueberlieferung,aus gründlichstem Wissen mit Freiheit, Geist und Geschmack
*) Vergleiche über ihn den Nekrolog seines Sohnes Rudolf indessen 1872 herausgegebenen Kleinen Schriften S. 70 ff.
Varrentrapp, Joh. Schulze. 3