30 Erstes Buch. Zweites Capitel.
Mühe nicht gescheut noch in vorgerücktem Alter Griechisch„nicht nur zu lernen, sondern zu studieren": sein Lehrerund Privatsecretär Biester sagt in seinem Nekrolog: „Eswar eine Lust mit ihm die Classiker zu lesen." Soweit seineMacht reichte, hat er den Unterricht im Griechischen füralle höheren Schulen ohligatorisch gemacht, die Stunden-zahl für ihn verdoppelt und verdreifacht und die Meister-werke der classischen Literatur auf den Lehrplan gesetzt.Nichts aher war bedeutungsvoller für die Förderung desGriechischen in den preussischen Schulen, als dass Zedlitzbei dem König zugleich mit der Genehmigung von TrappsEntlassungsgesuch die Berufung des erst 23jährigen „sehrgeschickten Mannes aus dem Hannoverschen" durchsetzte,auf den er durch die Ostern 1782 erschienene Ausgabe desPlatonischen Symposion aufmerksam geworden war. „HelfenSie, schrieb er ihm bald nach dem Beginn seiner Lehr-thätigkeit, den einen Vorwurf, der noch immer Halle traf,abwälzen, dass man dort keine Philologen bildet." Wolfhat diese Aufforderung über Hoffen und Verstehen desMinisters hinaus erfüllt.
Höher als die meisten der zeitgenössischen Pädagogenhatte Zedlitz den Begriff des Nützlichen gefasst; in dessenBetonung und Voranstellung lag aber nach Trendelenburgstreffendem Wort auch die Grenze seines Geistes. Im Gegen-satz zu den utilitarischen Rücksichten, die ihn wie die HallerProfessoren bisher gefesselt hatten, erstrebte Wolf „harmo-nische Bildung unseres Geistes und Gemüthes" durch das-hierfürunvergleichlich wirksame Studium des classischen Alterthums,das er aus dem „gemeinen Dienst von Brod erwerbendenDisciplinen" befreite. Als er die Universität Göttingenbezog, hatte der Prorector gemeint, wer sich auf dergleichendoctrinas philosophicae facultatis legen wolle, sei als Theo-logus einzuschreiben; trotz seiner und Heynes Abmahnungensetzte der achtzehnjährige Jüngling durch als studiosus philo-logiae immatriculirt zu werden; der Wissenschaft, deren selbst-ständige Bedeutung er so früh vertreten hatte, gab er jetztfeste Begründung und ein neues Ziel. Ihn erfüllten undhoben die Bildungsideale der Blüthezeit unserer classischen