Deutsche Philologen. Minister Zedlitz. 29
Erst in dem hier angedeuteten Zusammenhang ermisstman recht die Grösse des Verdienstes, welches durch seineBerufung sich der Minister von Zedlitz erworben hat. 1778hatte er Kant gegenüber darauf hingewiesen, er habe „nichtohne Erfolg daran gearbeitet Halle so emporzubringen alses jemals gewesen ist". Allerdings vermochte er hierdurchnicht Kant zu bestimmen sich nach Halle versetzen zu lassen;auch andere hervorragende Gelehrte, die er hierher zu ziehenwünschte, folgten seinem Rufe nicht, und im Feuer seinerBegeisterung für Aufklärung und Lehrfreiheit schreckte ervor Massregeln nicht zurück, durch die er verletzte, statt zunützen. Seine Begünstigung Bahrdts hat die theologischeFacultät gekränkt und geschädigt; in Folge dieser ärger-lichen Händel wurde ihrem bedeutendsten Mitglied, Semler,die Aufsicht über das pädagogische Seminar genommen.Ein Blick in die Geschichte dieses Seminars lässt besondersdeutlich erkennen, wie sehr der Minister, dessen Beziehungenzu Resewitz schon oben erwähnt wurden, durch die Anschau-ungen des Philanthropinismus berührt war; aus Dessau be-rief er Trapp, machte ihn zum Professor der Pädagogik undLeiter des Seminars. Aber bald überzeugte er sich, dassals akademischer Lehrer seinen Anforderungen ein Mannwie Trapp nicht genügen konnte, der dem Unterricht „soviel wie möglich die Gestalt der gesellschaftlichen Unter-haltung" zu geben wünschte und die Schädlichkeit von all-zuviel gelehrtem Wissen für den Erzieher stark betonte.Dass das Bildungsstreben von Zedlitz tiefer und gediegenerals das der Philanthropinisten war, beweist wie seine Ver-ehrung für Kant so auch seine Schätzung des Griechischenund seine wohl durch sie bestimmte Wahl des NachfolgersTrapps. Der mit Amtsgeschäften beladene Minister hat die
deutscher Philologen (Lpz. 1868 S. 4 ff.), Dahlmanns und Klödens Auf-zeichnungen über ihre Jugend (Springer, Dahlmann I, 452 und KlödensJugenderinnerungen h. v. Jahns S. 356 ff.) und Herbst in Beinern Werküber J. H. Voss an den im Register II, 2, 357 citirten Stellen. WolfsSeminarberichte durfte ich in dem schon von Arnoldt benutzten,weitere Ausbeutung m. E. in hohem Grade verdienenden Aktenfascikeldes Berliner Geh. Staatsarchivs (Rep. 76 II n. 102) einsehen.