Schulzes Lehrer. 21
und Vertrauen gewonnen hatten, machte er sich durch dievon ihm gegründete Lesegesellschaft verdient, welche sichwöchentlich an einem Abend um ihn versammelte und invorher von ihm ausgetheilten Rollen, in welchen auch erthätig war, die Dramen von Shakespeare, Goethe, Schillerund Lessing las. Eine weitere Gelegenheit sich in münd-lichem Vortrag zu üben gaben die am ersten Donnerstagjeden Monats in Gegenwart des Abtes, des Directors, allerLehrer und aller Schüler stattfindenden Privatredeactus, wo-bei einzelne Schüler aus allen Classen abwechselnd in latei-nischer, deutscher und französischer Sprache die ihnen aufge-gebenen Gedichte und Reden frei stehend vortrugen." Rühmendhebt Schulze hervor, wie gut auch sonst für die Ausbildungder Zöglinge des Pädagogiums gesorgt wurde durch einen inFrankreich gebornen französischen Sprachlehrer, gute Lehrerim Zeichnen und Singen und die durch Steinmetz geschaffenenLehrmittel, eine treffliche Bibliothek, einen genügenden physi-kalischen Apparat und eine Reitbahn. Dabei waltete nachSchulzes Erzählung „ein freier, fast republikanischer Sinnunter den Schülern. Der Kloster-Primus und Secundus ver-traten ähnlich den Volkstribunen ihre Rechte und warenverpflichtet, sich von Zeit zu Zeit einen schulfreien Nach-mittag von dem Abt in Magdeburg unter vorheriger Zustim-mung des Directors zu erbitten. An der Fahrt nach Pechau,dem jährlichen Schulfest, nahmen Lehrer, Schüler und fastalle Bewohner des Klosters persönlichen Antheil; Musik er-öffnete den Zug zu dem festlich geschmückten Schiffe; imWald in Pechau fand die Bewirthung statt und in jedemJahr ward eine der grössten und schönsten Eichen zur Ehreund Freude der jubelnden Jugend gefällt; die Rückkehr amAbend verherrlichte ein Feuerwerk".
So gedachte Schulze noch als Greis dankbar der glück-lichen Tage, die er in dem anmuthig gelegenen „lindenum-gebenen" Kloster verlebt, der Anregungen und Freuden, dieer hier genossen hatte. In seinen Aufzeichnungen findenwir nichts von den Klagen über die kleinen Leiden, nament-lich über die schlechte Beköstigung, die nach Schewes Be-richten in diesen Jahren von vielen Zöglingen geäussert