Druckschrift 
3 (1912) Proben der höfischen Epik aus dem XIII. und XIV. Jahrhundert
Entstehung
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TAFEL XXXIX.

RUDOLF VON EMS, WELTCHRONIK.

(Christherre-Chronik.)

Cod. germ. 5 ist einer der wichtigsten Vertreter von Vilmars fünfter Handschriften-gruppe der Weltchronik des Rudolf von Ems, d. i. ihrer jüngeren Rezension, der sog. Christ-herre-Chronik, mit allerhand Beimischungen und Zusätzen aus der älteren und üus JansenEnikel. Massmann hat diese Überlieferungsgruppe treffendSchwellhandschriften'', StrauchMischhandschriften'' genannt. Der Codex ist im XIV. Jahrhundert geschrieben worden.Der Herstellungsort ist unbekannt. Die Mundart ist bayrisch-österreichisch. Auch die zahl-reichen und meist recht fein ausgeführten Bilder weisen auf bayrisch-österreichischen Ursprunghin; sie zeigen Verwandschaft mit den ebendaher stammenden Münchener Codd. germ. 4 und 11und der Thurn und Taxisschen Handschrift des Jansen Enikel in Regensburg. Im Jahre 1544wurde das Buch laut Eintrag auf Blatt 223 renoviert und gebunden durch Moritz Seysem-berger, Custos in der Burg zu Wien. Ein anderer Eintrag aus demselben Jahre auf derInnenseite des vorderen Einbanddeckels meldet, dass es von Joachim Marschalch zw Reihnau(Reichenau) an Sigmunden freyherrn zw Herberstain geschenkt wurde. Von einer späterenSchenkung berichtet ein schmaler Pergamentstreifen, der vorne eingeklebt ist: Daniel Rechlingera Radaun, Norndorf et Hainhouen, Ernestj Archiducis Hustriae praefectus aulicae et summaeCulinae Singularis amicitiae Ergo dedit domino Wilhelmo Friderico Lucio praesentem librum.Der hier genannte Rehlingen gehört dem bekannten Augsburger Adelsgeschlecht an. In derAugsburger Stadtbibliothek fand die Handschrift später ihre Stätte und wurde hier vonI. G. Schelhorn zum ersten Male näher bekannt gemacht (1732). Im Jahre 1806 gelangte siedann in die Münchener Hof- und Staatsbibliothek.

Vgl. Schelhorn in Gottscheds Beyträgen zur critischen Historie der deutschen SpracheI 1732, S. 593608. Massmanns Ausgabe der Kaiserchronik (Bd. IV der QuedlinburgerBibliothek der gesamten deutschen Nationalliteratur) Abt. III, 1854, S. 178. Vilmar a. a. O.(vgl. Tafel XXXVIII), S. 55 f. Strauchs Ausgabe der Werke Jansen Enikels (MonumentaGermaniae historica. Deutsche Chroniken. Bd. III) 1900, S. XXIIIXXV.

Zu den Bildern vgl. B. Riehl, Studien zur Geschichte der bayrischen Malerei 1895,S. 3438, 113. Bredt, Der Handschriftenschmuck Augsburgs (Studien zur deutschen Kunst-geschichte, Heft 25) 1900, S. 13 f., 29. Franz Jacobi, Studien zur Geschichte der bayrischenMiniatur im XIV. Jahrhundert (Studien, Heft 102) 1908, S. 4348.

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