Druckschrift 
3 (1912) Proben der höfischen Epik aus dem XIII. und XIV. Jahrhundert
Entstehung
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TAFEL XXXVIÜ.

RUDOLF VON EMS, WELTCHRONIK.

Cod. germ. 6406 (= Cim. 104) enthält das letzte Werk Rudolfs von Ems, seine Welt-chronik, die bei seinem Tode im Jahre 1254 noch nicht vollendet war und später verschiedeneErgänzungen und Bearbeitungen gefunden hat. Da in der vorliegenden Handschrift Anfangund Schluss fehlt, so lässt sich nicht mit Bestimmtheit nachweisen, ob sie der ersten oderdritten der von Yilmar aufgestellten Uberlieferungsgruppen zugehört; wahrscheinlich aber istsie der ersten, ältesten zuzurechnen. Geschrieben wurde sie wohl am Anfang des XIV. Jahr-hunderts; der Herstellungsort ist unbekannt. Die Sprache zeigt eine starke Mischung ober-und mitteldeutscher Formen. Sehr reich und vorzüglich erhalten ist der Bilderschmuck derHandschrift, der sich besonders durch prachtvolles Gold auszeichnet; neben den zahlreichenGemälden finden sich auch am Anfang der verschiedenen Bücher schöne Initialen, derenstilisierte Tier- und Pflanzenornamente sich teilweise über die ganze Seite erstrecken. ImJahre 1694 gehörte die Handschrift nach dem noch darin enthaltenen Exlibris dem FerdinandBarth von Harmating, später dem Nürnberger Pfarrer und Büchersammler Gg. WolfgangPanzer (17291805). Nach dessen Tode erwarb sie der Freisinger Antiquar Mozler und ver-kaufte sie im Jahre 1809 an Joseph August Grafen von Törring-Gutenzell. Hundert Jahrespäter ging sie in den Besitz der Münchener Hof- und Staatsbibliothek über.

Die erste Erwähnung der Handschrift verdanken wir Docen; eine genaue Beschreibunghat i. J. 1909 Petzet gegeben.

Vgl. Docen, Miscellaneen II 1807, S. 35 und 52. Yilmar, Die zwei Rezensionenund die Handschriitenfamilien der Weltchronik Rudolfs von Ems. 1839. S. 50 f. Petzet inder Germanisch-Romanischen Monatsschrift I 1909, S. 465490.