Die braune gotische Buchschrift des XIV. Jahrhunderts, in der dieHandschrift angefertigt ist, zeigt die charakteristischen Brechungen voll-ständig ausgebildet; eckige, spitzige Formen bei sehr steiler Stellung derBuchstaben herrschen durchaus, nicht nur bei m, n, i, e u. s. w., sondernselbst bei dem gekrümmten 2 (A, Z. 5) oder dem a (A, Z. 1), dessenobere geschlossene Schlinge meist giebelförmig spitz aufgesetzt ist. DieOberlängen von b, 1, h, k sind etwas verdickt und regelmässig gespalten,die Oberlänge des stets abgebogenen d scharf abgebrochen, ohne irgendeinen auslaufenden und verzierenden Haarstrich. Die Zunge des e istnoch nicht verloren, aber nicht mehr sehr ausgeprägt. Das g ist voll-kommen geschlossen. Der Endstrich des h wie des z ist unter die Zeilegezogen. Über dem i kommt neben Strich (A, Z. 13) oder Haken (A, Z. 18)auch der einfache Punkt vor (B, Z. 16); häufig fehlt auch jedes solchediakritische Zeichen (A, Z. 6). Die Fahne des r ist sehr kurz und ein-fach, nur selten (A, Z. 20) etwas weiter ausgeführt; r und 2 wechselnohne erkennbaren Grund willkürlich (A, Z. 33, 35), die Meyersche Regelist nicht eingehalten, f und f stehen auf der Zeile, sind oben verdicktund unten meist scharf umgebogen; im Auslaut ist immer rundes sgebraucht. Der Querbalken des t durchschneidet den Stamm unterhalbder Spitze, ragt aber nach links nur so wenig hervor, dass er hier oftnur wie eine Verdickung des sehr zugespitzten Stammes erscheint (A, Z. 7);nach rechts dagegen ist der Querbalken weit herausgerückt und amWortende durch einen senkrechten Haarstrich abgeschlossen (A, Z. 6);im Wortinnern zeigt sich oft Ähnlichkeit mit c (A, Z. 16) und umgekehrtÄhnlichkeit von c mit t (A, Z. 17). Die zunehmende Undeutlichkeit derspäteren gotischen Schrift tritt auch in der ausserordentlichen Ähnlichkeitvon w (A, Z. 6) mit iv (A, Z. 3) zutage, u und v wechseln mehrfach; für
eu ist ew geschrieben (A, Z. 6). Bei Überschreibungen wird u und nichtv verwendet: ü (A, Z. 2), ü (A, Z. 30); daneben kommt 6 vor (A, Z. 8).Es kündigt sich aber auch der Übergang von der Überschreibung vonBuchstaben zu blossen Strichen an: ü für ü (A, Z. 31; B, Z. 12) und öfür ö (A, Z. 18; B, Z. 24). Die Verbindung der Buchstaben miteinanderist nicht nur mit Benützung der Endstriche, sondern auch durch Zu-sammenschreiben nach der Meyerschen Regel fast noch weiter durch-geführt als schon auf Tafel XXXVIII. Wir finden de (A, Z. 1), do (A, Z. 2),da (A, Z. 6), vo (A, Z. 12), be (A, Z. 23), we (A, Z. 33), ve (A, Z. 38),vereinzelt freilich auch getrennt da (A, Z. 15), pe (A, Z. 25), he (A, Z. 7),wie denn h und p noch nicht in die Zusammenschreibung einbezogensind. Ausgebildete Ligaturen sind ft, ee, ch, ck, tz; doch kommt ae auchgetrennt vor (B, Z. 33). Grosse Buchstaben sind stets am Anfang derersten Zeile eines Reimpaares verwendet; sie sind in kleinen Quadratenetwas vorgerückt und mit einem roten Zierstrich ausgestattet. Die Formensind meist nur vergrösserte Minuskeln mit einigen Verzierungen; teil-weise sind die Versalien aber weiter ausgebildet, nicht immer glücklich,wie z. B. das G in A, Z. 31 gegenüber der arideren Form A, Z. 37 sehrundeutlich und eher einem B ähnlich ist.
Die Schrift steht meist auf, nicht zwischen den linierten Zeilen. Beigrösseren Abschnitten (A, Z. 29; B, Z. 23) sind blaue oder rote Initialenvon doppelter Zeilenhöhe gesetzt. Die Blätterlagen sind je auf der letztenSeite unten gezählt, auf Blatt 27 v irrtümlich mit II us (statt III us ) beginnend;daher steht auf dem vorliegenden Blatt 97 v unten IX us . Die Bilderstellen die Giessung und die Anbetung des goldenen Kalbes dar; derHintergrund der Bilder ist blau, das Kalb rot, die Umrahmung des linkenBildes grün in zweifacher Abstufung, die des rechten rot.
ä5
SO
[Do die chlainot wuzdera pjacht j als daz lewt het gedacht Der rain gotesweigant wazf daz golt al zehant]
A B
I n ein fivr an der friftdo gefchüf dez tivuels liftD az es in dem fivrnach rindes nativr
D uzeh diz miffetat vnd ich
zu grozzer diet mache dich.N ayn niht hezr genad mein
ich pit dich nu tu mir fcheinG enad vnd la deinen zozngen deinem lewt fei ez \er\02n
V nd züzn niht vmb diz gefchichtdaz die egypten Iprechen icht
G ot hat fi chündichleich
pracht auz difem reichD 0 er het alfo gedacht
wurdens in die wüft pzachtD az er dann tot die Ichar
wan er gewaltich garW az in ze geben daz lant
daz fein gehaizz in hat benantN ach ewichleichem aygem recht
gedenck herre an deinen chnechtI n deiner genaden gut nu°)
darnach komens zefamme/z duS würens difiv leiben lant
nach in ze geben in ir hant 7 )
Do 8 ) got in feiner gutmit götleicher diemütD ez zozns vnd der dro vergazals er ze tun lieh vezmaz
V nd feinen zosn ab geliemoyfes von dannen gie
V nd trüg die tauein mit im dan.iofue der rain man
W az do gen im gegangen
wan nach im begund in langen
V nd hiet leicht aller taeglichhin gen im gemachet lieh
E r enpfienck in wol vnd waz fromit einander giengen fi do
G en dem her den pezck ze taldo fi vernamen difen Ichal_________ [D er vnder dem her gefchach.]
') Auf Rasur. — 2 ) Die ganze Zeile au! Rasur. — ') Die Flecken über dem leiben sindblau, abgedrückt von einem Bilde der gegenüberstehenden Seite. — 4 ) G blau. — 5 ) Die Fleckenhier und am Rande neben Z. 30/31 sind rot, abgedrückt von einem Bilde der gegenüberstehendenSeite. — 6 ) nu verbessert. — 7 ) Z. 22/23 Flecken blau und violett, abgedrückt von einem Bildaut der gegenüberstehenden Seite. — 8 ) D rot.
W azd ein chalb an der gefchaft
dem iach daz lewt folher ctuaftD az ez got waer vnd fprachen fo.
mit froleichem müt doN ach dez tivuels gepot
ifrahel ditz ift dein gotD er dich mit helfleicher hant
pzacht von egypten lant
V on deines laides grozze: chlagfrü 1 ) an dem andejn tag
M achtens einen alter davnd opfezten dem chalb fa
V nd heten grozz hochzeitfröleich gar an widerftreit
H eten fi lieh gegeftet dar
nach der opfer faz die fchar 8 )Z e wirtfeheft nider az vnd tranck
daznach wazd nicht ze lanckE daz fi an dem felben 8 ) zil
giengen fröleich ze fpilN ach dem gepet vnd fvngen
fi tantzten vnd fprungenA ls in nach grozzer Iwasr
grozziv lieb gefchehen waer
Got 4 ) zu feinem chnecht do fprachdo difew fünd gefchachG inck ab dein lewt gefündet hat
mit füntleicher miffetat 5 )D az fprach got in der weiz alfoals er fich tet erzaigen do
V r vnd fpzach daz lewt deinin zoan nicht daz lewt mein
G ot fpzach la mich die Icharveztiligen vnd zeaftcbn gar
•ft