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2 (1911) Mittelhochdeutsche Schriftdenkmäler des XI. bis XIV. Jahrhunderts
Entstehung
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TAFEL XXV.

CARMINA BURANA.

Cod. lat. 4660 (Bened. 160 = C. c. pict. 73) ist die grösste Samm-lung mittelalterlicher Yagantenlieder, die uns erhalten ist. Ihren vonSchmeller eingeführten Namen Carmina Burana verdankt sie ihrer Her-kunft aus dem Kloster Benediktbeuren in Oberbayern, aus dessenBibliothek sie nach der Säkularisation i. J. 1803 in die Münchener Hof-und Staatsbibliothek gelangt ist. Nach Schönbachs Annahme hat siesich vorher im Besitze von Katharern befunden. Ihr Zusammenhangmit französischen Vorlagen steht fest, ihre Hauptbestandteile aberstammen aus Deutschland. Sie ist von verschiedenen Schreibern, abernach einem einheitlichen Plane etwa in den Jahren 12251230 angefertigtworden und enthält in lateinischer und deutscher, vereinzelt auch infranzösischer Sprache ernste, heitere und dramatische Dichtungen.Vielfach sind den Versen Musiknoten (Neumen) beigefügt; vgl. Tafel IX.Auch 8 Bilder, Federzeichnungen mit Wasserfarben, schmücken dieHandschrift. Seit ihrer ersten Erwähnung durch Freiherrn von Äretini. J. 1803 hat sie wiederholt eingehende Untersuchung und ungemeinhäufige Würdigung gefunden; vollständig ist aber der Text bishernur von Schmeller (1847) herausgegeben worden, bis auf einige Frag-mente, die erst Wilhelm Meyer in ihrer Zugehörigkeit zu der Handschrifterkannt und im Jahre 1901 veröffentlicht hat.

Vgl. Aretin in seinen Beiträgen zur Geschichte und Literatur,V. Stück 1803, S. 75 und 78. Docen, Miscellaneen 1807 II, S. 190 bis208. Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart, Band XVI:Carmina burana [herausgegeben von Schmeller] 1847. 4. Auflage 1904.

Ilberg in der Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien XL 1889,S. 103106. Wustmann in der Zeitschrift für deutsches AltertumXXXV 1891, S. 328343. Patzig ebenda XXXVI 1892, S. 187203.

Wilh. Meyer, Fragmenta Burana. Berlin 1901. Schönbach, Studienzur Geschichte der altdeutschen Predigt. III. Stück, S. 9598. (Sitzungs-berichte der Wiener Akademie, philosophisch-historische Klasse, Bd. 147,V. Abhandlung. 1903.) Lundius in der Zeitschrift für deutsche Philo-logie XXXIX 1907, S. 330493. Eine neue kritische Ausgabe desTextes darf von Wilhelm Meyer erwartet werden; eine Facsimile-Ausgabeder ganzen Handschrift befindet sich in Vorbereitung.

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