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2 (1911) Mittelhochdeutsche Schriftdenkmäler des XI. bis XIV. Jahrhunderts
Entstehung
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TAFEL XVI.

fl. LIEBESGRUSS AUS DEM RUODLIEB.

Cod. lat. 19486 (=Teg. 1486) besteht aus 17 losen Doppelblättern und einem schmalenStreifen. Von diesen sind 16 durch Docen und Schmeller nach und nach aus Einbanddeckelnvon Tegernseer Handschriften abgelöst worden, die durch die Säkularisation an die Staats-bibliothek gekommen waren. 1840 wurde aus dem Besitz des Freiherrn von Moll in Dachauein weiteres Doppelblatt dazu erworben. Diese in einer Pappschachtel lose verwahrten Blätterenthalten Bruchstücke des in lateinischen, leoninischen Hexametern geschriebenen ältestendeutschen Romans, des Ruodlieb. Schmellers Annahme, dass die Dichtung Froumund zu-zuschreiben sei, lässt sich aus äusseren und inneren Gründen nicht halten, der Dichter warvielmehr ein wahrscheinlich adliger Mönch des Klosters Tegernsee, der, ein Menschenalterjünger als Froumund, das Werk um 1030 verfasste. In den Münchener Fragmenten dürfenwir wohl seine eigene Niederschrift, sein Konzept, sehen. Die vorliegende Seite, Blatt 33 r ,enthält den als ältesten Beleg deutscher Minnedichtung bekannten Liebesgruss. Docenmachte 1807 zuerst auf die neugefundenen Bruchstücke aufmerksam, Schmeller veröffentlichtesie 1838 und 1841.

Vgl. Docen, Miszellaneen I 1807, S. 69. Jakob Grimm und Schmeller, LateinischeGedichte des X. und XI. Jahrhunderts. 1838. Schmeller in der Zeitschrift für deutschesAltertum I 1841, S. 401423. Friedrich Seiler, Ruodlieb, der älteste Roman des Mittel-alters, nebst Epigrammen, mit Einleitung, Anmerkungen und Glossar. 1882. Laistner in derZeitschrift für deutsches Altertum XXIX 1885, S. 125. Müllenhoff-Scherer 3 , Nr. XXVIII.Pauls Grundriss 2 II, 1, S. 136138. Kögel I, 2, S. 342412. Kelle I, S. 277283.Chroust, Monumenta Palaeographica. I. Abteilung, II. Serie, Lieferung 2, Tafel 7 (257).

B. DU BIST MIN, ICH BIN DIN.

Cod. lat. 19411 (=Teg. 1411, früher E 33), der oft untersuchte Tegernseer codex epistolarisvom ausgehenden XII. Jahrhundert, wird einem Presbyter Werinher Scholasticus zugeschrieben,von dem nur bekannt ist, dass er um das Jahr 1197 gelebt hat und dass vier TegernseerHandschriften, vielleicht auch der eben genannte, von seiner Hand geschrieben sind. Er istlange mit dem Priester Wernher, dem Verfasser der driu liet von der maget vermengt unddurch mancherlei weitere Zutaten zu einer romanhaften Gestalt gesteigert worden. Die Hand-schrift enthält in der Hauptsache eine Mustersammlung von Briefen und Urkunden für denUnterricht; von ihrem mannigfaltigen Inhalt sei nur noch der ludus de antichristo und diedrei lateinischen Liebesbriefe erwähnt, deren erster und dritter von der Dame an den Geliebtengerichtet sind, während der zweite dessen Antwort enthält. Diesen geben wir ganz wieder,dazu vom ersten den Schluss mit den deutschen Versen Du bist min, ich bin din. Der dritteBrief schliesst sich nicht an die vorliegende Seite 230 an, sondern steht an einer anderenStelle der Handschrift.

Das deutsche Stück wurde von Docen gefunden, der sich als erster mit dieser Hand-schrift näher beschäftigte; er überliess den Fund Lachmann, der ihn in seiner Iweinausgabevon 1827 zum ersten Mal gedruckt hat.

Vgl. Wilmans, Zur Geschichte der Handschriften von Ottos von Freisingen Chronik imArchiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde XI 1858, S. 7476. Wattenbach,Beschreibung der Handschrift Cod. lat. 19411 aus Tegernsee in der K.Bibliothek zu Münchenim Neuen Archiv XVII 1892, S. 3147. Erben im Neuen Archiv XX 1895, S. 359365.Chroust, Monumenta Palaeographica. Abteilung I, Serie II, Lieferung 3, Tafel 1 (261).

Iwein, herausgegeben von Benecke und Lachmann 1827, S. 389 f. Des MinnesangsFrühling, herausgegeben von Lachmann und Haupt. 4. Auflage, besorgt von Vogt. 1888, S. 3und S. 221224. Traube in der Zeitschrift für deutsches Altertum XXXII 1888, S. 387 f.Mausser in der Allgemeinen deutschen Biographie LV 1910, S. 4853.