Druckschrift 
2 (1911) Mittelhochdeutsche Schriftdenkmäler des XI. bis XIV. Jahrhunderts
Entstehung
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Die Handschrift ist eine ausgezeichnete Leistung derzweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts und bekundet schon inder Raumeinteilung und der Übersichtlichkeit der Verse dieUmsicht und Sorgfalt des Schreibers. Der lateinische Text istin einer grossen gleichmässigen Minuskel geschrieben, die fastganz auf Abkürzungen verzichtet; Kapitalbuchstaben, und zwarin roter Farbe, dienen zur Hervorhebung der Überschrift undder Yersanfänge; die erste Zeile eines neuen Psalms wirdnach einer stattlichen roten Initiale vollständig in schwarzerMajuskel (Capitalis rustica) geschrieben. Auch als Verweisungs-zeichen für grössere Randbemerkungen sind, um sie augenfälligzu machen, rote Majuskeln verwendet. Die deutsche Über-setzung ist in kleineren Buchstaben und meist in hellerer Tintezwischen die Zeilen Wort für Wort über den lateinischen Textgeschrieben; beansprucht sie nähere Erläuterungen und darummehr Raum, so findet sie Platz auf dem reichlichen freienBlattrande. Die Formen der Buchstaben sind sehr regelmässigund klar durchgebildet; nur das d schwankt zwischen der auf-rechten (Z. 1) und der unzialen Form (Z. 3), wobei die seltenerund nur im Anlaut vorkommende abgebogene Form sich inden verschiedensten Abstufungen findet von ganz wagrechterLage der Oberlänge (im lateinischen Text Z. 30) bis zu sichererEleganz der Biegung (Z. 11). Eigentümlich ist der Schluss-punkt an der Fahne des r, wenn es im Auslaut steht (Z. 5).

Das e zeigt einen auffallend kleinen Kopf, der durch einenselbständigen Druckstrich und einen verbindenden Haarstrichgebildet wird; es erhält dadurch manchmal grosse Ähnlichkeitmit einem c (Z. 5), manchmal auch mit r (Z. 15). Auch dieForm des z ist beachtenswert, sie gleicht einem h mit einemdavorgehängten Haken; vgl. Tafel XIV. Das lange f herrschtim deutschen Texte durchaus, während im lateinischen rundess vorkommt (Z. 24). Von Buchstabenverbindungen findet sichnur das völlig durchgeführte st. Auch das w verrät gelegent-lich noch seine Herkunft aus vv (Z. 15). Wenn es auchschon ziemlich durchgedrungen ist, so findet sich doch danebenauch noch blosses u (Z. 1). Neben seh erscheint sc (beidesZ. 25), neben t auch tt in demselben Worte (Z. 21 und 23).An Stelle des gewöhnlichen z (Z. 1) ist gelegentlich auchc geschrieben (Z. 15). k fehlt ganz und wird durch ch ver-treten (Z. 1), das seinerseits wieder vor t fast immer durchblosses h ersetzt ist (Z. 3). Die Worttrennung ist sehr deutlich;nur ze wird gelegentlich (in den Zusätzen am Rande rechtsund links) mit dem folgenden Worte verbunden. Die Inter-punktion ist im deutschen Text sparsamer als im lateinischen,der neben dem Punkt auch das ! verwendet (Z. 10).

Das vorliegende Blatt (172 r ) enthält den Schluss derdem 117. Psalm angehängten Oratio und den Anfang des118. Psalms.

10

15

SO

mahtigen

chriftenheite dine mit chrefte dere gualtigen zefwen

ecclefiam tuam uirtute potentif dexterg

dannen fi werde ein porte del rehten unde fo fih dere winchillichen

quo fiat porta iufticie. & ita fe angulari fta-

uone

ftaticheite zuogeflehte daz diner urftente fi erliuttertiubilitate coneetat. ut tua refurrectione clari -

erberhttiu erfchine . erglizze lere

Bficata refulgeat. qui *) cum ALEPH . doctri -Salige die ungemeilgten an dem wege. dieEATI INMÄCULATI IN UIÄ ! QVI na.der gent in der e del herren.ambulant in lege domini.Salige die der erfcrudilent urchunde finiu in alle-Beati qui ferutantur teftimonia eiuf! in to -me hercen erfuochent fi in Niht wände die derto corde exquirunt eum. Non enim quiwurchent daz unreht an wegen finen giengen

operantur iniquitatem ! in uiif eiuf ambu -Du enbute . haft inbo - inbot diniu

ten B«)

lauerunt. Tu mandaft ! mandata tua.

behuoten harte O wie wenne wurden gerihten wege

cuftodire nimif. Utinam dirigantur uie

mine ze behuottenne rehtmachunge Ä 8 ) dine

mec ! ad cuftodiendaf iuf tif icationef tuas *).

Denne niht wirde ih geschentet. fuenne ih durhfcouwe in allen

Tunc non confundar! cum perfpexero in omni-

inboten 5 ) dinen Ih uergihe dir in derbuf mandatif tuis. Confitebor tibi ingerihtunge def hercen ane diu daz ih lirnete. gelirnet dei ur

han teile

directione cordif! in eo quod didici iudiciarehtef dinef Rehtmachunge dine ih behuoteiufticie tu? . Iuftif icationel tuaf cufto[diam]

*) Das q ist hochgestellt. 2 ) Zu diesem B gehört die Hnmerkung am rechtenRand des Blattes: B Mandatum heizzet inbot. / daz me den heimlichen tru 'ten . unde denfunteririun/ten inbiutet. Preceptum ilt/daz gebot. daz me iouh di/che den loten . den wider-bru/tigen Ichalchen gebiutet. / daz ziuhet ze der uorhten / ienez gehabet iih ze der mi/ne.Ob wirklich, wie Wallburg meint, in widerbrutigen ein h und in mine ein n beim Beschneidender Handschrift verloren gegangen ist, lässt sich aus dem jetzigen Zustande der Handschriftnicht erweilen; die Zeilenabteilung bei unfih und eruollet in Anmerkung R spricht sogardagegen. s ) Zu diesem R gehört die Anmerkung am rechten Rand des Blattes: RlIuftificationef heizze wir / dei gotei gebot dei unfih / rehte machent. fo fi uon unf / behaltenunde eruollet / werdent. *) Zu diesem Vers gehört die Erklärung am linken Rand desBlattes: Got welle/daz mine/wege gerih/tet werden /ze behalten'ne dei go'tef gebot.5 ) Der Punkt über inboten ist ein zufälliger Flecken, nicht vom Schreiber herrührend.