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2 (1911) Mittelhochdeutsche Schriftdenkmäler des XI. bis XIV. Jahrhunderts
Entstehung
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Minuskel des XII. Jahrhunderts. Etwas ungleichmässige und un-ruhige Schrift; Grösse, Stärke, Abstände und Richtung der Buchstabenwechseln, wenn auch nicht sehr erheblich, so doch merklich genug, umkeinen ganz einheitlichen Eindruck zustande kommen zu lassen, obwohlauf Seite A durch das Ausfüllen der freien Zeilenenden mit roten Ver-zierungen ein geschlossenes Schriftbild angestrebt ist. Zu Beginn neuerAbschnitte, die meist mit Zeilenanfängen zusammenfallen, sind Majuskel-buchstaben mit leichter Verzierung in Rot verwendet. Die beiden Über-schriften, B, Z. 6 und 24, sind mit Rot durchstrichen. Auf Seite A untensteht ein griechisches Alphabet, auf Seite B oben eine verbesserteWiederholung desselben. Diese Art der Verbindung von Name, Formund Zahlenwert der Buchstaben ist wohl auf des Rhabanus MaurusSchrift De inventione linguarum zurückzuführen; vgl. Migne, PatrologiaLatina CXII, S. 1579. In der Mitte von Seite B findet sich eine schwarzund rote Zeichnung zweier heilkräftiger Oblaten für Kranke mit bei-geschriebener Anweisung, die eine gegen Fieber und Fallsucht, dieandere gegen Blutfluss.

Die Oberlängen von d, 1, b (A, Z. 15) und h (A, Z. 5) haben viel-fach oben einen schrägen Hnsatzstrich. Von alten Formen findet sichnoch das offene a, aber nur mehr übergeschrieben (A, Z. 19). An Buch-stabenverbindungen begegnet st, das ohne Ausnahme durchgeführt ist,or (A, Z. 18), vs (A, Z. 12) und als jüngste de d. i. d mit hochgesetzteme (B, Z. 8); wegen e (B, Z. 26) vgl. Tafel XVII. Die gerade Form des dwird stark zurückgedrängt durch die runde, die hier meist in guterBildung auftritt, g ist fast durchweg oben und unten geschlossen, m undn endigen mit einem meist eckig nach rechts aufwärts gezogenen

Abschlusstrich; des öfteren sind die Grundstriche ungleich lang undstehen nicht auf der Zeile (B, Z. 8; A, Z. 14). f in langer Form ist nochvorherrschend, doch begegnet s sowohl im Auslaut (B, Z. 12), wie auchschon im Anlaut (B, Z. 17, in der Zeichnung, rechts). Beim t durch-schneidet bisweilen der Querstrich den Schaft dicht unterhalb der Spitze(A, Z. 11). Die Form des w ist ausgebildet, nur in Einzelfällen wirdes durch v vertreten (A, Z. 12). z kommt in einer Grundform, der1-Form, vor, die aber einen Wechsel von einfachem (A, Z. 14) unddoppeltem (A. Z. 3) Ansatzhaken zeigt; durch seine schräge Lage trägtes vor andern Buchstaben dazu bei, die Einheitlichkeit des Schriftbildeszu stören; vgl. Tafel XV, C.

In den Schreibungen sind mancherlei Schwankungen zu beobachten.Neben seh (A, Z. 8) tritt sk (B, Z. 8/9) und sc (A, Z. 17) auf. v undu vertreten sich gegenseitig (A, Z. 7 und 8); kommen w und u zusammen,so wird das u nicht geschrieben (B, Z. 9). f vertritt auch v (A, Z. 24)und wird manchmal durch ph (A, Z. 16) ersetzt. Vor t steht einfachesh statt eh. ö steht für uo und ou (A, Z. 2); daneben findet sich auchü (A, Z. 5) und uo (B, Z. 8). An Abkürzungen, die in den lateinischenStücken der vorliegenden Tafel weit zahlreicher sind, begegnen in dendeutschen nur der wagrechte, etwas gewundene Strich als Zeichen derAuslassung verschiedener Buchstaben, z. B. r, m (A, Z. 5) und n (A, Z. 4).Akzente sind spärlich gesetzt und haben ausser B, Z. 10 stets die Dach-form. Als Satzzeichen dient ausschliesslich der Punkt. Die Worttrennungist nicht immer gut durchgeführt, ja mitunter (A, Z. 1) sehr schlecht.

Die vorliegende Tafel gibt Blatt 83 v und 84 r der Handschriftwieder.

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>5

[Der rot iochant. ift guot dem daz plut wir-ret . Er ift guot dem der in ein wurmegez lant vert.]daz ungefunt ift. ob er in mitt imi hat.

Smaragduf der ift gröne. unte ift den liehen ögen göt.ob in der fiche trage. fo er in öfter anefihet. fo er ie bazfihet. vnte werderat imo luter. dar abe .

Saphiruf der ift lazür uar.unte ift dem göt. der 1 ) daz vel un-te cinche in demo ögen hat.

Onichinuf der ilt göt puluerot. vvr den grint. def men-nischen . vnte uur die malen . vnte uur die zaihere derögen . Topaziuf ift göt. taz er ehalt machet daz walleratwazzer. unte ift dem göt der in treit. vvr di firgift 2 ). defaitterf. vnte ift golt uar.

Crifolitvf ift göt. vnte ift fihtfare 8 ). fver in treit. derwirdet geminnet vone friuten 4 ) ioch von vianten.

Berilluf der ift vare fame div funna in daz wazzer feienet 5 )ift göt fver in treit def rede 6 ) ift lobefam in allen dingen in fti-hent 7 ) die tiphele . Sardonix ift prvni rot. ift göt den tifil-fuhtegen . Sardiuf ift tunchil rot. feinit nahtef. iftgöt der in treit uor di uallenfuht.

Crifoprafvf ift purpur uar der in treit er ift zer uuerl 8 ) rih-felich . fihet 9 ) in f in uihant .an im . er minnet in f a ze ftunte .

/lmetiftuf der ift tunchel uar were 10 ) denne purpurwar-we u ) er machet. rurtranch 12 ) der in gepulueret. der intreit. der wirt geminnet uon den edelen urowen .unte wirdet ferfmahet von den diuwen.

t i

alfa . beta . gamma . delta . c . fimma zeta . eta theta iota kappa .A.a.H.bT.g. Ad E. S. Z. H. G I. K.

1 m n x o p col ro thau

lauta . mi. ni xi. x o.n.q.P.E.T. y .

I.' s ) II. III. IUI. V. VI.") VII. VIII. Villi. 1 ») X. XI

B

alfa. beta. gamma . 1S ) delta. c. fimma. zeta. eta. theta. iota. kappa.Aa.Hb.r.g. A.d.E.S. Z. H. 0. I. K.

I- II- HI. HU. V. VI. VII. VIII. Villi. X. XX.

lauta . mi. ni. xiL. M.N.

o . p . cof. ro . fimma .Z.X.On. Q.P. E.T thav Y .

HI. pli o. longa

XXX . xl. 1. Ix. <I> O \f) CO .

d. de. a. mille.

. b. xdec. ydccc. zdcccc. Contra uermef.

lob läge in dem mifte . er rief ze crifte . er chot. du gnadigecrilt. du der in demo himile bift. du buoze demo mennif-ken def wrmif.N. 17 ) Durch die iobef bete. di er zuo dir tete.do er in demo mifte lag. do er in demo mifte rief. zuodemo heiligin crift. der wrm ift tot. tot ift der wrm .KyrMeyfon Chrifteleyfon . kyrieleyfon . Pater. nofter . Mb«/ uicibaf.oratio dominica . Actione! no/rraf quas domme . amen .

Oblate links:. Contra febres in oblata.Icribe tribu/ 18 ) te chriftul . ielvs . 19 )Er. pon. to 20 )

contra caduevmmorbu/n. Exurgequi dormif. ex-furge a mortu-il. et illumi-nabit techriftul.

Quer geschrieben:chriftul natu/ eft. -f- Contrachriftul mortwf e/V. + febrefchriftul relurrexir -J- Icribe

in lolio porrida inlirmoad come-dendumtrel diel

Oblate rechts, äussere Einlassung:contra fluxurn languinilin tribvl oblatil Icribe dainfirmo. comedere.

Oblate rechts:Dixrt laneta ueronica -j- intra Ie. Si tetigero -(- fim-briam . ueltimenti+eiu/Ialua") ero . poft . abfolutionem +fllfa . & co .in nominepatrii & iilii.&ipiritul saneti. in -hrmitate

Anno . Aominicae. incamationif . nongentefimo . 1. v. Bellum actum eft in auguftana.

ciuitate . Odalrico epifcopo . Otto imperafor . Rex paganorvm Bulzv ")

DE JOB. Scriptum 2S ) eft autem eum refurrexiffe cum hif quof dommuf fufei-

tauit. Hie interpretatwr de fyriaco 24 ) libro . quia iob habitauerat.

in terra quidem aufitidi in finibu/ idumeg. & arabi?. & erat ei

nomen iobab . & aeeepta uxore arabiffa. genuit filium nomine

[ennon.]

») e aus a verbessert. 2 ) Birlinger liest verbessernd fergilt. 8 ) Fälschlich für lihtfare. *) Fälschlich für friunten. 5 ) Birlinger verbessert Icienet.6 ) Geflossen. 7 ) Birlinger liest flihent. ») Birlinger liest uueil. 9 ) h nachträglich zwischen den Zeilen eingefügt. 10 ) Birlinger liest mere. ") Birlinger liestpurpurvarwe. I2 ) Fälschlich statt rurcranch. 13 ) Darnach Rasur, auf der noch eine I ziemlich undeutlich erkennbar ist. u ) Der erste Strich des v abgescheuert.15 ) Das v fast ganz abgescheuert. ,6 ) Darüber verschiedene Federproben. ") Vertritt den jeweils einzusetzenden Namen des Kranken. 18 ) Darnach ist wohlvieibus zu ergänzen. 19 ) e aus 1 verbessert. 20 ) Diese drei Kürzungen sind nicht zuverlässig aufzulösen; die letzte ist nicht mit Sicherheit zu lesen. 21 ) Daszweite a übergeschrieben und geflossen. 22 ) Das v durch späteres Nachfahren undeutlich. 2S ) r nachträglich zwischen den Zeilen eingefügt. **) Die kleinenStriche über und unter dem o scheinen die Worttrennung anzeigen zu sollen.

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u

k