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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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Anfänge des Pilgerliedes. 227

eleison als Bezeichnung der lateinischen Litanei zu gelten,deren Eingang sie darstellen; wie ja auch 'Credo', 'Paternoster'u. a. in solchem Sinn gebraucht werden. Und zumindest überall,wo von Prozessionen und dergl. die Rede ist, sollen nach ihmdie Quellen mit der Angabe, daß das Volk Kyrie eleison sang,auf das Absingen der Litanei zielen. Das hat ge W1 ß etwasEinleuchtendes, zumal wenn man die Sache mit unseren Augensieht und, wie Jostes tut, heutige Bauern zum Vergleich heran-holt Die einfachen Responsionen der Litanei, audi nos orapro nobis, Miserere nobis, stellen nach unserem Gefühl keineunmöglichen Anforderungen auch an ungeschulte Kehlen undKöpfe Die Capitularienbestimmungen Karls d. Gr., wonachdie Laien gemeinschaftlich mit den Geistlichen das 'Gloria patriund das 'Sanctus' singen sollten, scheinen ihren Sinn zu verlieren,wenn man dem Volke nicht den Gesang einfacher lateinischerFloskeln, wie die Litanei sie bot, zutrauen dürfte. Und wenndas Kyrie eleison des öfteren als Ersatz für inlecebrosa, peshjeracantica und dergl. hingestellt wird, so läßt auch das zunächstan einen umfänglicheren Gesang denken als den bloßen KutKyrie eleison. Die Zeugnisse freilich geben für diese Meinungnichts her; sie scheinen vielmehr stellenweise, und zwar geradeauch wo es sich um Prozessionsgesang handelt, unmißverständ-lich auf einen reinen Wechsel der Formeln Kyrie eleison undChriste eleison zu deuten. So wird denn in dieser Frage überVermutungen nicht hinauszukommen sein; vielleicht daß einsund das andere statt hatte.

Trotzdem hatte Jostes recht, wenn er nachdrücklich aufdie Bedeutung hinwies, die der Litanei bei der Ausbildungunseres geistlichen Volksliedes zukam. Das Pilgerlied in deut-scher Sprache nämlich, auf das es uns hier ankommt, hat sichan der Litanei gebildet und immer wieder an ihr genährt.Man glaubt aus unserer Überlieferung herauszulesen, wie schritt-weise an der Hand der Litanei das deutsche Lied erwuchs.Wir haben, seit dem 10. Jahrhundert bezeugt, deutsche Variie-rungen des Kyrieleis in verschiedener Form. Die älteste istoffenbar Christe ginado, eine einfache Eindeutschung des Ein-gangs der Litanei. Der Ruf ist in dieser Gestalt, als Christusonse nade, Kyrioleis noch aus dem 14. Jahrhundert in friesischenRechtsbüchern nachgewiesen (Hoffmann v. Fall. S. 77). Dieentwicklungsgeschichtlich nächste Stufe zeigt Cosmas von

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