Die Liturgie (Lied i). «nt
mit einem guten Taktteil zusammengefallen wäre. Das ist
gewiß die natürliche Annahme, — nur daß ihr die Aufzeichnung
^ugos nicht immer entspricht. In Lied II hat (nach Runge
• 3o) die zweite Zeile der ersten wie der zweiten Strophe die
^eumierung: c ■ § * t =*
Wenn dieser Neumierung in der ersten Strophe der TextUntergelegt ist: Crist rait selber gen Jerusalem und in derzweiten Strophe: Hilf uns, herr, durh din hailiges blüt, soscheint eine Verletzung der Sinnakzente durch die Melodie-^gabe unvermeidlich: einer Betonung Jerusalem, wie sie dieMe lodieführung (nach Runge S. 7) voraussetzt, müßte in Strophe2 hailiges blüt entsprechen. In Lied IV zeigt Zeile 13 ') eineeumierung, die nach dem Muster der Parallelzeilen eine musi-ahsche Akzentuierung Es sol Jesus werden genant verlangt.^ le Zeile schlechtweg als 'fehlerhaft' zu erklären (Runge S. 13),eißt wohl, die Dinge zu einfach nehmen: Hugos Aufzeichnunga * sich allem Anschein nach nicht streng an die Forderunggalten, das Wortakzent und guter Taktteil zusammenfallen^ ußte n. Bei einem Manne, der von der Kunstmusik herkam^ mit lateinischen Texten zu arbeiten gewohnt war, würde^ as nicht weiter überraschen. Eine andere Frage ist aber, wieeit er damit noch den lebendigen Volksgesang getreu wieder-*; und das ist die Hauptfrage, die aus diesen Erwägungen
"heßlich herausspringt: dürfen die Notierungen Hugos über-aupt als bis ins einzelne zuverlässige Aufzeichnungen der Geißler-d °dien gelten ? ») Ein solcher Grad von Treue, wie man ihnG ° n einem modernen Volksliedsammler verlangt, ist bei einemelehrten des 14. Jh.s ohnehin nicht vorauszusetzen. Daß Hugole textliche Form der Geißlerlieder leicht übermalt hat, ist
') Sie ist entgegen Runges Angabe auf S. 32 Silbe für Silbe neumiert.
^ l ) Eine Einzelheit zur Illustration: In Lied II Z. 19 ist bei der Notierung
.^ den hailigen Crist eine Ton Wiederholung nötig, um das Wort hailigen
di e einem Takt unterzubrin g en - Dasselbe gilt für den hailigen geist in Z. 21,
genau denselben melodischen Satz zeigt wie Z. 19. Im ersten Falle neu-
ller t Hugo: C _ ■ ■ P im zweiten Falle: 31
Zweifel, daß das eine ganz willkürliche Variation ist.