l\Q Die deutschen Geißlerlieder.
Sunder, ich saghe di leue mere:sunte peter is portenere.wende dich an en, he letset dich in.95 he bringhet dich vor de koninghin.
leue herre sunte Michahel,du bist en plegher aller sei.be hode vns vor der helle nod!dat do dor dines sceppers dod!
Anmerkungen zu R.
3 Volksliedhafte Modelung der bereitstehenden Formel du bist Lucifcrsgeselle (wie tiuvels kint, genoz u. ä.); vgl. Du valscher man, du bist wol syn (Luci-fers) geselle der Hynnenberger, Jenaer Liederhs. i, S. 66; Lucifers geselle mustu-ewig sein Hoff mann von Fallersleben Kirchenl. S. 230 aus dem Judaslied;so werdeni si dar umbe Lucifers genoz Bruder Werner, v. d. Hagen Minnes. 3>n b ; anders: Lucifer sin (des Antichristen) trut geselle Hugo von TrimbergRenner 6098.
7 Über die Vorlage der Zeile s. S. 43. Die Formel gelten und widergebenwird tautologisch zu nehmen sein, trotz der Doppelung debita et male acquisiia-restituere der Vorlage. Denn die Formel war zu abgegriffen, um mit demprägnanten Sinn der lateinischen Paarung gefüllt zu werden. Nachweise schonbei J. Grimm Rechtsalt. S. 611, der indes den allem Anschein nach ursprüng-lichen Geltungsbezirk der Formel nicht erkennt. Es ist derselbe, in dem dieGeißlerstrophe sie zeigt: gelten und widergeben (restituere) ist ein Akt der buoze(poenitentia). In der Predigt (der die Formel vermutlich ihre Ausbreitungverdankt) von Berthold von Regensburg (s. S. 45) bis Geiler von Keisersberg:gilt und gib wider, weist du selig werden Granatapfel (1510) C i b nach DWb.Freidank dringt auf Reinigung des Bußbegriffes: Alle ablaze ligent nider,Man gelte dann und gebe wider Nach genaden und nach minnen 150, 12 f.; dieneunte der 14 aus der 'gitekeit' entspringenden Sünden ist niht gelten nochwider gen Beichtbuch aus dem 14. Jh. hsg. von Oberlin (Straßburg 1784)S. 34; Gilt und gib wider daz ist swer Laßberg Lieders. 3, 451, wo die Mahnungam Beispiel eines Räubers erläutert wird. Schließlich wird die Wendungsäkularisiert: he wolde weder gheven unde gelden, wat eren borgheren nomen ive feLübecker Chron. 1, 176 nach Schiller-Lübben.
10 f. im geistlichen Schauspiel: Ir liebez kint sey gevangen "Und an tUlkreuz gehangen Wack. 2, S. 369; vgl. den nd. Ruf Wack. 2, Nr. 1014, !<>•
12 eine Art Gerippzeile: Deine wimpron sint von plüte rot (: tot) Marien-klage bei Schönbach S. 58, 113. vgl. (du schwörst bei) Mynen wonden «"*mym bloet so roet, Myner martel und mynem byttern doet geistl. Schauspiel be 1Wack. 2, S. 352, 72.
14 f. Typischer Strophenrahmen in jüngeren Rufen, z. B. In seinfBschneidung vergosz er sein Blut, Das sey uns für die Todtsünd der Vnkeuschhe" 1 '