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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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94 Die deutschen Geißierlieder.

Fortsetzungen an. Der Chronist schreibt also unter dem un-mittelbaren Eindruck der Ereignisse; die etwa 150 Hexameter,in denen die Chronik von den Geißlern handelt, verraten inder Fülle ihres Inhalts und in der Lebendigkeit der Schilderungund des Urteils sofort den Augenzeugen. Und dieser Augen-zeuge bietet uns nicht nur die reichste, sondern auch die besteÜberlieferung der Geißlerlieder. Freilich galt das Interessedes musikverständigen Priesters wohl mehr den Melodienals den Texten. Gillert hat erstmalig die ganze Chronik, alsoauch die deutschen Lieder veröffentlicht in den 'Forschungenzur deutschen Geschichte' Bd. 21 (1881), S. 2365. Dieser imganzen zuverlässigen Publikation hatte Karl Bartsch denRang abgelaufen mit einem wesentlich anfechtbareren Ab-druck nur der Lieder in der Germania 25 (1880), S. 4047, derauf einer Abschrift von Gustav Friderici fußte. Die letzteGesamtausgabe der Lieder und der auf die Geißler bezüglichenStücke der Chronik gab Paul Runge 1900 in dem oben S. 7zitierten Buch. Runges Ausgabe hat das Verdienst, zum erstenMale die Melodien zugänglich gemacht und untersucht zuhaben. Aber auch nur dies. Die Art wie Runge mit den Textenumgeht, ist geradezu strafwürdig und nur dadurch zu ent-schuldigen, daß ein Musiker am Werke ist, dem es in ersterReihe auf die Melodien ankam. Aber dann hätte er Gillertgegenüber nicht den Anspruch auf größere Treue erhebendürfen.

Das sprachliche Bild der Hs. entspricht vollkommendem, was ein Reutlinger Text aus der Mitte des 14. Jahrhundertserwarten läßt:

U gewöhnlich mit a gegeben, daneben aun IV 49; las I 50; hast II 7;getan III 17; an III 18. Beachte kotnen IV 51. 79. 103; kimin IV 93. se wirddurchweg e geschrieben, außer g&hen III 12.Altes ei erscheint als ai, nurI 75 ein; der unbestimmte Artikel zeigt häufiger als ain die Form an, III 7auch in flektierter Gestalt als ann; vgl. haligun I 12m gegen gewöhnlicheshailig. Für uo vereinzelt o: wocherere I 73 (w kaum = wu; das erscheintnur vor n und r, s. u.), rowe III 26; wiroch IV 99 steht für sich. Für üegewöhnlich 8: bissen I I, r5fen I 23, misd ir I 32, beh&t 1 35 u. ö., sissen I 59>gebissen I 60, müssen I 61; s5ssu I 121 f, bhott III 8. 12; in mosd ir I 84 ist derIndex vergessen; abweichend nur fur(s) III 20. 22. 24; mois I 91 scheintnach der Art wie der Text die auslautenden s-Laute schreibt, = muoz, nichtmüeze. gen für geben I 110.

Farbige Vokale in Endsilben sind häufig, fast ausschließlich in Fällen,wo alte Länge vorliegt; die meisten Belege gibt IV: mämun a. sg. 43, liebun d-