511Daraus also sehen Sie, lieber Freunddaß ich die Beobachtung derſelbigen Regel auchin Rücksicht auf böse, von irgend einem Kindeverübte Handlungen empfehle. Denn über-haupt gilt es ſowohl bei der Anleitung zu einemrechtschaffnen Leben, als bei dem Unterrichtin den Wissenschaften: Wenn das eine Kindetwas lernen soll, muß mans zuweilen nur an-dere Kinder zu lehren scheinen. Es ist hiernicht immer gut, den geraden Weg zu gehen.Man muß oft auch indirect verfahren, undzwar aus dem ganz natürlichen Grunde, weilman bei einem Kinde, welches man unauf-hörlich geradezu hofmeistert, einen übermäßigenGrad entweder von Dummheit oder von Bos-heit vorauszusetzen scheint, und weil man imGegentheildadurch, daß man ſich zuweilen auchdas Anſehen giebt, andern Kindern zu ſagen, wases doch zunächst sich selbst zu Nutze machen soll,ihm nicht nur eben so wohl seine Schwächezeigt, sondern ihm sogar noch unvermerktschmeichelt, und es mithin um desto mehrreizt, insgeheim den im Allgemeinen getadel-ten Fehler zu verbessern. Nur bei solchen Kin-dern, deren Geist einen herrschenden Mangelan Aufmerksamkeit hat, und deren Herz schonzu
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2 (1791)
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511
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