564Dreißigster Brief.An Herrn Schullehrer S***.###Es war mir eine sehr angenehme Nachricht,lieber Freund, als ich hörte, daß Sie in Ver-bindung mit mehrern benachbarten Schulleh-rern eine Lesegesellschaft errichten wollen.Sie haben hier wirklich das einzige und beſteMittel erwählt, welches in Ihrer Lage zu wäh-len möglich ist, sich selbst immer mehr an rich-tigen hochdeutschen Ausdruck zu gewöhnen,und sich mithin auch immer mehr die Fähigkeitzu erwerben, Ihre Zöglinge darin vollkomm-ner zu machen *). Ausserdem wird durch Lec-türe zugleich der Verstand geschärft, die Er-kenntniß berichtigt und erweitert, der Eigen-dünkel vertilgt, und der Entscheidungsgeist,welcher im Freistäate der Wahrheit sich durchdeſpotiſche Machtſprüche ankündigt, zu weiſerSchüchternheit im Urtheil herabgestimmt.Und auch das hat auf die Unterweisung der Ju-gend einen sehr wohlthätigen Einfluß. Freilichdarf*) M. f. den sechs und zwanzigsten Brief. S. 478.
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2 (1791)
Seite
564
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