Druckschrift 
2 (1791)
Seite
394
Einzelbild herunterladen
 

394Sie sehen daraus, mein Freund, wieleicht es möglich sey, sogar dem Religionsun-terrichte selbst die Form der Gottesverehrungzu geben. In dem Erziehungsinstitute zuDessau hat er auch schon ganz diese Form.Es werden dort zugleich auch schicklich gewählteStrophen aus geistlichen Liedern damit verbun-den, und es ist nicht zu bezweifeln, daß auchdies in dem Falle vorzuͤglichen Nutzen habenmüsse. Nur zu oft werden ja die Lieder beimöffentlichen Gottesdienste maschinenmäßig ab-geſungen. Aber eben jene Methode wäre gewiß das sicherste Verwahrungsmittel dage-gen*). Und überhaupt bin ich der Meinung,daß*) Weil hier gerade von Liedern die Rede ist;möcht' ich die Frage aufwerfen: ob es nicht auchgut ſeyn würde, wenn die Kinder einige ſogenannteweltliche Lieder, die sowohl durch populären Aus-druck als durch Sittlichkeit des Inhalts sich auszeichneten, in den Schulen nach schicklichen Meindien absingen lernten? Man kennt ja doch wohlden Geist unserer gewöhnlichen Volkslieder.weiß es, wie oft sie nicht nur gegen die RegelnSprache und des Geschmacks (denn dies wäre nochdas geringste Uebel), sondern auch sogar gegen dRegeln