386gleichsam fühlbar zu machen, daß die wahreReligion auch aufs Leben anwendbar sey, daßſie Gedanken und Neigungen, Handlungenund Leidenschaften lenken und regieren müsse,und daß kein einziger Menſch das Recht habe,sie als bloße Kenntniß in seiner Seele unthaͤtisruhen zu lassen.Ich bin daher nicht nur davon überzeugt,daß jeder Religionssatz, der nicht unmittelbar mit der Moral zuſammenhängt, und jedeSubtilität, die auf etwas wunderbares, un-begreifliches und übernatürliches hinausläuft,aus dem ersten Religionsunterrichte der Kindtverdrängt werden müsse, sondern ich habe auchsogar schon längst den Gedanken gehabt, daß esvielleicht das erste und wesentlichste Verhinde-rungsmittel jenes Vorurtheils seyn würde,wenn die Lehrer in den Schulen sich immer nurgelegentlich mit ihren Zöglingen von einzelnenWahrheiten der Religion unterhielten, und alſoder eigentliche, systematische Religionsunter-richt den Predigern überlassen bliebe *). Denneben*) Dieser Gedanke ist schon vor einigen Jahren nitdergeschrieben worden, und zur Freude des Briefestelleck
Druckschrift
2 (1791)
Seite
386
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