324(denn die unbedeutenden muß man sehr oftnicht zu achten scheinen ; ausser wenn sie zu oftwiederholt werden und Fertigkeit erzeugen) einGegenstand des Gelächters werden? Sindsie nicht vielmehr ein Gegenstand des Mit-leids? Und nun das Mitleid in eine erzwun-gene Freude ausarten lassen — wie unwei-se! — Ist nicht ausserdem alles, was uns voneiner lächerlichen Seite vorgestellt wird, unsangenehm? Sind nicht von jeher die Vol-taire's beinahe vergöttert worden, weil sie dieGabe hatten, das ernsthafteste und heiligstevon der Welt in ein komisches Licht zu setzen?Man fahre alſo nur fort, uͤber die Fehler desKindes zu lachen, und — man zieht vielleichtdadurch die ersten Grundlinien in dem Charac-ter eines künftigen Religionsspötters! Nie-mand halte diese Behauptung für gar zu son-derbar! Man frage nur vorher die täglichErfahrung! In der That lehrt uns diese,daß man durch dergleichen Lacherei das Kindzur Schamloſigkeit und Niederträchtigkeitzwinge. Es wird gleichgültig gegen den Fehlerselbst, kernt ihn für unerheblicher halten, als eist, und sucht wohl gar nachher eine gewisse Eh-re darin, wenn es andern etwas zu lachen gebenkann.
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2 (1791)
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324
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