302er würde durch keine Grundsätze der Vernunftund Religion dazu angetrieben. Man darfhier nur die Kinder beobachten, um dieſe Be-merkung bestätigt zu finden. Weint die Mut-ter; so weint die Kleine mit — wird dieSchwester gestraft; so nimmt ihre schuldloseMiene Theil daran. Wo sind aber hier jeneGrundsätze der Vernunft und Religion? Undwenn nun also der Lehrer sich bemühte, bei denFehlern seiner Zöglinge nicht etwan gleich inpolternden Unwillen auszubrechen, sondernseinen Unwillen durch Bekümmerniß zu mil-dern, und diese Bekümmerniß durch eine be-daurende Miene zu erkennen zu geben — wenner sich darin übte, es ihnen merklich zu machen,daß dieses Betragen ganz und gar der Aus-druck reiner, unverfälschter Natur, und mit-hin durchaus unwillkührlich sey — würde ernicht dann ihr moralisches Gefühl schärfen undberichtigen? Würde er sie dadurch nicht anlei-ten, mit der Idee des Fehlers allemal auch denNebenbegriff zu verknüpfen, daß man sich da-durch bemitleidenswürdig mache, oder einengewissen Grad von Verachtung verdienen?Und würde nicht beides unangenehm seyn, undzur Verbesserung des Fehlers anspornen?Dazu
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2 (1791)
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302
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