291Das ist wahr, was Sie da erinnern. Es ent-ſteht hier indeſſen die Frage: Wodurch ſolcheKinder denn eigentlich muthlos gemacht wor-den sind? Gröstentheils ist gar zu anhaltenderTadel die Urſache davon geweſen. Sie ſahen,daß sie dem Lehrer nichts recht und gut machenkonnten, und fiengen daher an, den glückli-chen Erfolg aller ihrer, auch noch so eifrigenBemühungen zu bezweifeln. Allein dieſesVerfahren ist offenbar eben so fehlerhaft.Wäre der anhaltende Tadel nicht vorhergegan-gen; so würde man auch des Hülfsmittels ha-ben entbehren können, ihnen durch unverdien-tes Lob von neuem Muth einzuflössen. Undausserdem, wenn Lob ohne Verdienstlichkeit inEmpfang genommen wird, so ist es gewiß vonnoch weit schädlicherm Einflusse auf die nachhe-rige Urtheilskraft und Denkungsart der Kin-der. Nur ein einziger Fall würde dabei, wiees scheint, eine Ausnahme machen: wennnämlich solche Kinder klug genug wären, denUngrund des Lobes einzuſehen. Aber wiekann man das wohl allemal erwarten? Undwenn man es auch erwarten könnte; so wärendoch schon wieder andere Nachtheile zu befürch-ten. Denn gerade solche kluge Kinder halten2/2das
Druckschrift
2 (1791)
Seite
291
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten