29das Lob entweder für Satyre, und mithinschon wieder für Tadel, oder sie setzen Miß-trauen in die Einsichten des Lehrers. Kurz!Es läßt sich kaum ausdrücken, wie viel Behut-samkeit in diesem Puncte nöthig sey.Sehr oft — setzte er hinzu — werden auchdie Lobeserhebungen höchstungerecht ausge-theilt, ohne daß der Lehrer selbst auf den ge-ringsten Verdacht dieser Ungerechtigkeit gera-then sollte. Flatterhafte Kinder z. B. begrei-fen fast alles sehr leicht. Soll er sie nun des-wegen loben? Soll er nun deswegen andere,welche nicht so leicht damit fertig sind, tief er-niedrigen? Soll er zwischen beiden eine Pa-rallele ziehen, welche für jene eben so rühm-lich, als für diese schimpflich ist? Soll er esvergessen, daß Naturgaben so wenig eigentli-ches Lob verdienen, als der Mangel derselbenmit Recht gerügt werden kann? Und doch ge-schieht dieses so häufig. Doch glauben Lehrerund Erzieher so oft, daß eine solche schnelleFassungskraft das Werk einer angeſtrengtenAufmerksamkeit, und das ächte Kennzeichender Lehrbegierde sey. Allein wie sehr irren siedarin! Wie wenig Kenntniß der menſchlichenNatur
Druckschrift
2 (1791)
Seite
292
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten