Druckschrift 
2 (1791)
Seite
262
Einzelbild herunterladen
 

262würden, mit andern Frauenzimmern, welcheeine simplere Erziehung genossen, und nie vonlauten Bewunderern ihrer körperlichen Reizeumgeben waren, nie Lob erndteten, wo sie esnicht ganz verdient hatten, und man wird jeneBemerkung in ihrem vollen Umfange bestätigtfinden.3) Weib ferner die Geschlechtsempfindun-gen bei ihnen vorzüglich lebhaft sind, und ihrerKörperconstitution gemäß auch nicht andersseyn können; so muß es auch ein Gegenstandder besondern Sorgfalt des Erziehers seyn, siezur Schamhaftigkeit und äusserlichen Sittlich-keit zu gewöhnen. Der Natur kann man vie-les überlassen; nur dies nicht. Sie würdehier eine schlechte Erzicherin seyn, weil sie aufeingeführte Gewohnheiten und conventionelleSitten nicht Rücksicht nimmt. Sie würdenichts dagegen einwenden, wenn gleich die Ge-schlechtsempfindungen, allen Regeln des An-stands zuwider, auf jede Veranlaſſung geäuſ-sert würden, ungeachtet im gesellschaftlichenLeben diese Regeln des Anstands wichtig undunentbehrlich sind. Man darf es daher in die-ser Absicht gewiß nicht als etwas gleichgültigesanſe⸗