260Natur, weil selbst ihre Bestimmung wenigerstrenges Nachdenken, als feines und edlesGefühl erfordert. Ich darf daher wohl kaumnoch sagen, daß Sie, als Lehrer, auf denCharacter der weiblichen Seele, nicht achtenwürden, wenn Sie dieselbe mit Mathematik,mit Logik und Metaphysik, und andern Wissen-schaften, wozu eine größere Spannung derSeelenkräfte und eine größere Beharrlichkeitim schärfern Nachdenken gehört, nähren undunterhalten wollten. Aber erlauben werdenSie mir, daß ich einige andere Folgerungendaraus herleite.1) Der Erzieher junger Mädchen hat vor-züglich darauf zu sehen, daß er sie zur Sanft-muth gewöhne. Denn da sie ihrer Natur nachmehr empfinden als denken; so ist es auf dereinen Seite leicht zu begreifen, daß sie baldzum Zorn und zur Rachbegierde gereizt werden,und auf der andern Seite, daß sie nicht allemalfähig seyn können, sich in den rechten Gesichts-punct zu stellen, woraus sie ein Wort oder eineHandlung zu betrachten hätten. Es fehlt ih-nen im Ganzen genommen der kalte Untersu-chungsgeist, welcher uns manche Beleidigungin
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2 (1791)
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260
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