256
AUSSTELLUNG IN DEN HALLEN
zückend, weil die herrlichen Rosen in kunstgerechter Weise zwischen Palmen und Farnen in kleinenund großen Gläsern und Vasen kurz- und langstielig angeordnet waren. Edle Neuheiten waren ingroßer Zahl recht augenfällig aufgestellt. — Mit Schnittblumen, unter denen sich besonders wiedertreffliche Dahlien befanden, vereinigte sich Schnittgrün in der Zeit vom 1. bis 6. Oktober. Adiantum,Medeola, Asparagus, Kroton, Koniferengrün, Farne, Crataegus, Liguster, Mahonie, Pteris, Lykopodiengaben der Halle C ein trautes, anheimelndes Gepräge.
Kunst- und Gartenbau-Ausstellung! Sollte auf diese Vereinigung des Schönen in der letztenSchnittblumenausstellung noch einmal hingewiesen werden? China und Japan haben uns die un-zähligen Spielarten des Chrysanthemum indicum und sinense als Zierpflanze geliefert, die im Herbstbis zum nahenden Winter als wundervolle Modeblumen mit Recht den Markt beherrschen. Siehaben dann in der Kunst und in dem Kunstgewerbe gar häufig entzückende Entwürfe veranlaßt.Vom 20. bis zum 23. Oktober hatten diese Kinder der Fremde Besitz genommen von der großenBlumenhalle und dem sogenannten Winterschen Palmengarten. Sie haben insofern mit den GeorginenÄhnlichkeit, als auch ihnen die Blumenseele, der Duft, fehlt. Was über eine solche Blume undFrauenerscheinung in einer geistreichen Schrift, ,,Les fleurs animees", gesagt wird: „Sie ist schönfürs Auge, allein sie spricht nicht zu unserm Gerüche. Sie sind schön, Madame, allein Sie habennicht den Duft der Schönheit, den man Liebe nennt", das gilt auch von den Chrysanthemen. Diean Umfang größten Einzelblumen waren Franzosen zu verdanken. Neben diesen „Riesen" zogendie Belgier durch reiche Mannigfaltigkeit an. Die Palme in dieser Schlußschaustellung aber gebührtezweifellos dem Verein Hamburger Chrysanthemumfreunde, der den ganzen Nordraum derBlumenhalle mit allen Arten und Formen der Goldblume aufs herrlichste ausgeschmückt hatte. —Wir sind zu Ende und kehren zum Eingangsgedanken dieses Berichtes zurück. Auf die Schnitt-blumenausstellungen paßt gar trefflich Goethes Wort:
Besonders aber lasst genug geschehn!
Man kommt zu schau'n, man will am liebsten sehn.
Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen,
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.
3. Die Orchideenausstellungen des Frühjahres, Sommers und Herbstes in Düsseldorf
von Otto Beyrodt
Wie jedem Unternehmen, das neu und unbekannt im eigenen Lande ist, stehen auch derLeitung solcher Ausstellungen ungeheure Schwierigkeiten im Wege. Es mußte zunächst versuchtwerden, sämtliche hervorragende Orchideenzüchter des europäischen Westens für die Beschickungder Orchideenausstellungen zu gewinnen, da im eigenen Lande diese herrlichste aller Pflanzen-
Grösste Odontoglossun-Gruppe, 450 Pflanzen, Otto Beyrodt, Marienfelde bei Berlin, 1.—3. Mai