KUNSTHISTORISCHE AUSSTELLUNG
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Interesses. Seit die Romantiker, Friedrichvon Schlegel, die Boisseree, Brentano an derSpitze, diesen Meister entdeckt haben, ist erfast zu einer volkstümlichen Gestalt in Cölngeworden. Er stellt für uns einen Kollektiv-begriff dar, unter dem sich, wie unter demNamen Homer, eine Reihe von künstlerischenPersönlichkeiten und selbst künstlerischenRichtungen verbergen, und es hat von jeherschwer gehalten, falsche oder schiefe Stil-bezeichnungen auszurotten oder durch anderezu ersetzen. Als greifbare Künstlererscheinungtritt uns dann erst um die Wende des Jahr-hunderts Hermann Wynrich von Wesel ent-gegen, jenes Meisters Wilhelm Nachfolgerund Erbe. Ein halbes Jahrhundert noch haltensich diese Tradition und diese heimischeKunstsprache, in der noch der gothischeKanon leise nachklingt, dann folgt aber sofortder Schöpfer des Cölner Dombildes, StephanLochner, der erste kölnische Monumental-maler, der noch einmal das alte liebgewonnenekünstlerische Ideal der altkölner Malerei ineinem herrlichen Werk voll von Jugend-wärme und Innigkeit zusammenfaßt. Er bringtfrisches Blut und oberrheinischen Weltfroh-sinn mit und führt als erster jetzt auch dielebensgroßen Figuren ein.
Seine herrliche Madonna mit dem Veilchenaus dem Cölner Priesterseminar, die für dieKirche St. Cäcilia geschaffen war, repräsen-tierte auf der Düsseldorfer Ausstellung inihrer frischen und reinen Jugendlichkeit denKünstler mit seiner frühesten Monumental-schöpfung. Den vollen Gegensatz zur ober-rheinischen Schule, aus der Lochner kam,bezeichnete das merkwürdige Bild des MeistersConrad Witz, das die Galerie zu Straßburgüberlassen hatte. Wie ganz anders sehenwir heute den Aufschwung der nordischenMalerei im 15. Jahrhundert an als früher.Wir begreifen sie als Ergebnis einer langenund organischen, schon seit einem Jahrhun-dert vorbereiteten Entwicklung. Nicht mehr
in so einsamer Höhe wie einst thronen die Gebrüder van Eyck. In den Niederlanden, aber auch inSüddeutschland regt sich fast gleichzeitig der gleiche Geist einer inbrünstigen Naturverehrung. DieConrad Witz, Lucas Moser und Hans Multscher streben jeder auf eigenem Wege ehrlich dem gleichenZiele nach wie der große nordische Zeitgenosse. Der Baseler Meister zeigt sich als der, der sicham energischsten und konsequentesten über das Wesen der modernen Malerei Rechenschaft gibt. Erist zugleich der erste Künstler der Perspektive in deutschen Landen. Sein Straßburger Bild zeigt ihnauf der Höhe seiner Kunst. Zwei Jahre vor dem Tode des Meisters Witz ist jenes in ganz weichenbraunen und grauen Tönen gehaltene Tafelbild mit den Heiligen Paulus und Antonius aus der Fürst-lich von Fürstenbergschen Galerie zu Donaueschingen entstanden, das wohl ebenfalls auf Baselhinweist. Noch ein anderes Hauptwerk der oberrheinischen Malerei war als point de vue in dergroßen Mittelachse auf einem Ehrenplatz aufgestellt: Martin Schongauers Hauptwerk: die Madonna imRosenhag aus der St. Martinskirche in Kolmar. Das merkwürdige Werk, das gar wenig von derLieblichkeit und Anmut atmet, die wir sonst an Schongauer kennen, zeigt eine herbe und fast ab-weisende Größe, wie sie keiner der gleichzeitigen Meister in Deutschland aufzuweisen hat. Man möchtebei der ganzen Erscheinung viel eher an einen gleichzeitigen Niederländer vom Schlage Rogers denken.
Quentin Massys,St. Johannes und St. Agnes
Berlin,Frau von Carstanjen
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