KUNSTHISTORISCHE AUSSTELLUNG
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von der Ausdehnung, von den verschiedenen Richtungen, endlich von dem beginnenden Verkümmerndieser Zentralschule. Daneben besteht eine fruchtbare Produktion in den Klöstern und StiftenCölns — hier wird im Gegensatz zur Trierer Gruppe die alte karolingische Überlieferung wiederaufgenommen — und das unter dem Cölner Erzbischof Gero gefertigte Evangelistar der DarmstädterBibliothek mit seinen noch ganz dem Trierer Adakodex nachgebildeten Evangelistenbildern zeigt,wie stark das Nachleben dieser Vorbilder ist. In diese Zeit fallen auch die Anfänge der Wand-malerei in den Rheinlanden. In der ersten Hälfte des n. Jahrhunderts sind die Wandmalereienin der Luciuskirche zu Werden und in der Westempore des Essener Münsters entstanden, diebeide in den Typen, in der Technik, in der Stilisierung deutlich byzantinischen Einfluß zeigen undhier den Herd einer byzantinischen Infektion des Niederrheins aufdecken.
Am Ende des n. Jahrhunderts entwickelt sich weiter der eigentlich romanische Stil in derBuchmalerei, der in Westdeutschland zunächst eine große Zahl von Denkmälern in Gestalt vonziemlich gleichartigen und geringe Originalität verratenden Evangelienhandschriften hinterlassen hat.Immer stärker wird jetzt das zeichnerische Element gegenüber dem malerischen — die kolorierteUmrißzeichnung verdrängt allmählich ganz die weiche, breite, malende Modellierung. Am Endedes Jahrhunderts entsteht aus diesen Anfängen ein nationaler Stil, der in den ersten Jahrzehntendes 13. Jahrhunderts rasch seine höchste Aus-
bildung findet. Die verschiedenen Abschriftender Cölner Königschronik, die Chronik derBenediktinerabtei Deutz in der SigmaringerBibliothek, die ganz phantastischen Schöpfungen,die die Visionen der heiligen Hildegard illu-strieren, geben interessante Beispiele diesesStiles. Aber die Buchmalerei hat in dieserPeriode nicht mehr jene ausschlaggebendeBedeutung ■wie in den früheren Jahrhunderten,und sie ist uns nicht mehr die einzige oderdie vorzüglichste Quelle für die Geschichte derMalerei. Die Wandmalerei tritt jetzt selbstän-dig, stilbildend und führend auf. Der Schatzvon Wandmalereien, den das Rheinland, denWestfalen aus dieser Zeit bergen, ist nochfast ungehoben. Von den rheinischen Werkensind aus frühester Zeit nur drei Zyklen durchaus'm Weerth eingehend publiziert, von denwestfälischen Malereien sind nur ganz wenigeProben durch Lübke und Aldenkirchen mit-geteilt und Borrmanns große Veröffentlichungder mittelalterlichen Wand- und Deckenmale-reien Deutschlands hat den äußersten deut-schen Nordwesten fast unberücksichtigt ge-lassen. Die Kirchen der beiden Nachbarprovinzenbergen aber hier noch eine Fülle von zumgrößten Teil ganz unbekannten Dekorationen,darunter künstlerische Leistungen ersten Ranges.Die Rheinprovinz steht an Zahl und Bedeutungvoran; hier allein läßt sich die ununterbrocheneEntwicklung durch sechs Jahrhunderte zeigen,gleichmäßig und durch Stücke von hohemkunstgeschichtlichem Wert belegen. Die Ge-sellschaft für rheinische Geschichtskunde hatsoeben einen großen Tafelband veröffentlicht,der zum Teil in kostbaren Farbendrucken diebedeutendsten der romanischen Wandmalereiender Rheinlande festhält. Am Beginn des 12.Jahrhunderts stehen die Malereien in denKrypten von St. Martin in Emmerich und vonSt. Maria im Kapitol, dann folgen, durch je zweiJahrzehnte von einander getrennt, die Malereien
Martin Schongauer, Madonna
Colmar. St. Martinskirche