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KUNSTHISTORISCHE AUSSTELLUNG
Jahrhundert. Waren es dort in ersterLinie die Schätze der Kirchen undkirchlichen Sammlungen, so trat jetztin größerem Umfang der Privatbesitzhinzu. Und nicht unwürdig durftesich die Ausstellung dieses Som-mers ihrer um zwei Jahre älterenSchwester an die Seite stellen. DieBeachtung, die ihr von Seiten derFachgenossen des In- und Auslan-des, aus den Kreisen der Sammlerund Liebhaber wie der Künstlergeschenkt worden ist, scheint dasVertrauen zu rechtfertigen, das denVeranstaltern bei dem schwierigenund verantwortungsvollen Unter-nehmen von allen Seiten entgegen-gebracht worden ist. Noch mehrvielleicht als die frühere Ausstel-lung durfte diese Veranstaltung aufdas rein künstlerische Interesseund Empfinden der weitesten Kreiserechnen.
Es kam diesem Plan zustatten,daß das Rheinland eine ähnlicheZusammenstellung überhaupt nochnicht gesehen hatte. Die Kunst-historische Ausstellung in Cöln vomJahre 1876 und die Ausstellung kunst-gewerblicher Altertümer in Düssel-dorf im Jahre 1880 brachten nurganz vereinzelte Gemälde, und dieretrospektiven Gemäldeausstellungenzu Düsseldorf 1886 und zu Aachen1903 mußten sich auf ein verhältnis-mäßig enges Gebiet beschränken.Gerade in den letzten Jahren wardie Kenntnis der Anfänge der Malereidurch eine Reihe von retrospektivenAusstellungen wesentlich gefördertworden. Im Jahre 1902 hatte dieExposition des primitifs fiamands zuBrügge aller Augen erneut auf dieUrsprünge der nordischen Malerei hingewiesen, und der Erfolg dieser Ausstellung war, was diewissenschaftlichen Resultate, wie was den Besuch und man möchte sagen die Popularität betraf,ein außerordentlicher und fast beispielloser. Die in diesem Sommer mit so glänzendem Erfolgeveranstaltete und so geschickt inszenierte Exposition des primitifs francais zu Paris war direktdurch jene Brügger Ausstellung hervorgerufen und suchte die dort angeregten Fragen auf Grundeines umfänglichen und zerstreuten Materials der Lösung für Frankreich näher zu führen. Zurgleichen Zeit war in Palazzo pubblico zu Siena die Mostra d'antica Arte Senese veranstaltet, diefast ganz ausschließlich das Trecento und das Quattrocento vorführte. Unabhängig von diesen undauch von der Brügger Ausstellung und jene doch nach einer Richtung hin ergänzend war die Düssel-dorfer Ausstellung ins Leben gerufen worden. Das Rheinland und zwar das Rheinland im weitestenSinne hat freilich im 15. Jahrhundert keinen Künstler vom Range der Gebrüder van Eyck und ihrerunmittelbaren Nachfolger aufzuweisen, dafür bringt es aber eine Kunst, die an Eigenart und Tiefedes religiösen Empfindens, an Frische des Naturgefühls der der meisten, an Reichtum, Mannigfaltig-keit und Fruchtbarkeit der aller anderen deutschen Provinzen voransteht; und es schien auch vonBedeutung, die Selbständigkeit der deutschen Meister und das Neue und Originale an ihnen gegen-über und neben den Niederländern ins richtige Licht zu setzen.
Erzbischof Cuno von Falkenstein
Trier, Domschatz