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INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG
Filippo Ciiariello
einsetzen soll. In der Hinfälligkeit des kranken Kindes vonRene Auberjonois steckte mehr Wahrheit und Menschlich-keit, als in den großen Sudeleien Hodlers.
Italien wurde durch zwei wundervolle Segantinis heraus-gerissen. Der eine, „Ave Maria", stammte aus dem Besitzedes Direktors Koenigs in Cöln, der andere, „Kuh an derTränke", aus dem des Oberregierungsrats Koenigs in Düssel-dorf, der auch ein herrliches, leuchtendes Stück von Delleanihergeliehen hatte. Außer Michettis „Tochter Jorios", einerRiesenleinwand aus Berliner Privatbesitz, die berechtigte Be-wunderung erregte, war noch Favrettos „Kindergarten" be-merkenswert, eine in Farbe und Komposition kühne und sichereSchöpfung. Ebenso großzügig war Morellis „Jairi Tochter",dagegen fielen die italienischen Landschaften gegen die derübrigen Länder gewaltig ab.
Sehr Gutes, zum Teil sogar Hervorragendes, hatten diePlastiker zu bieten. An erster Stelle Filippo Cifariello miteiner ergreifenden Gruppe „Die Unglücklichen" und vorzüg-lichen Porträtbüsten, dann Alberti, Bazzaro, Canonica,Origo, Appoloni und nicht zuletzt die in Rom lebendenDeutschen Hans Lerche und Rudolf Marcuse
Österreich zeigte ein recht gealtertes und langweiligesAussehen. Das Angenehmste war das rassige Gesichtcheneiner Spanierin von Alois Hans Schräm, dem sich diefrischen, kleinen Landschaftsbildchen von Tina Blau rechterquicklich zur Seite stellten.Theodor Charlemont und Karl Wollek sowie Else von Kalmar
Arnold Böcklin
Von Bildhauern warenmit ansprechenden Arbeiten vertreten.
Erfreulicher war der anstoßende amerikanische Saal. Hier dominierte Eugene Vail mit einemmonumentalen Stücke „Die Witwe", das ganz außerordentliche malerische Qualitäten enthielt.Gari Melchers brachte sich seinen Düsseldorfer Lehrmeistern mit dem Porträt eines Fechtmeistersin angenehme Erinnerung, und Julius Stewart gab durch das pikante Spiel des Sonnenlichtes aufseinen hübschen Modellen vielfache Anregung. Auch die Porträts von William Dannat wußtentrotz der etwas abgestandenen Technik zu fesseln. Als ein sehr geschmackvoller Stimmungskünstlerstellte sich Harry van der Weyden vor, dem Walter Gay auf anderem Gebiete die Hand reichte.Mac-Even war sehr gut durch seine „Dame von 1810" vertreten und Henry Bisbing mit rechtakzeptablen Tierstücken.
Auch die kleineren Bronzen von Frederick Roth in New-York wiesen gute Sachen auf.
Die deutsche, d. h. die Ausstellung der inländischen Kunstzentren außer Düsseldorf, hatte räumlichungefähr denselben Umfang wie die des Auslandes; es läßt sich jedoch von ihr nicht sagen, daßman einen bleibenden, tiefen Eindruck daraus mit nach Hause genommen hätte. Bei den Berlinernund Münchenern hat man das Gefühl, daßsie die Düsseldorfer Heerschau nicht so ganzernst genommen und aus diesem Grundemanchen alten Veteranen eingestellt hätten,dessen Diensttauglichkeit den Anforderungen,die der ernste Kampf stellt, nicht mehr ge-nügen wollte. Es mag sein, daß die starkeInanspruchnahme durch die vielen großenAusstellungen des vergangenen Jahres dieKünstler notgedrungen dazu getrieben hatte,aus den Beständen ihrer Ateliers das Materialzur Befriedigung der verschiedenen Ausstel-lungsplätze herauszusuchen. Bei dem einenoder anderen Bilde mochte der sich seiteiner Reihe von Jahren darauf gesammelteStaub von der frischen Rheinluft hinweg-geblasen werden; durchaus verkehrt aberdürfte es im eigenen Interesse der Künstler Max Liebermann Die Bleiche