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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
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INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG

rieten dazu die Wagemutigen, und selbst vonden Einsichtigen, die den bescheidenen Unter-ton des Lernens in die Fanfarenklänge desTriumphes hineinwarfen, wurde eine Inter-nationale Kunstausstellung als der beste Prüf-stein für das eigene Vermögen betrachtet.Gewiß gibt es für den Künstler keine bessereSchule und keinen höheren Genuß, als dasStudium der Kunstübungen aller Kulturvölker,als ein Prüfen und Wägen fremden Könnens,als ein aufrichtiges Sichversenken in denGeist vielfältig gestimmter Naturen. Darüberherrschte in Düsseldorf nur eine Meinung,zumal man sich von Anfang an darüber klarwar, daß von einer eigentlichen Konkurrenznicht die Rede sein konnte; schon deshalbnicht, weil es in der Natur einer internatio-nalen Veranstaltung liegt, daß die für dieeigenen Kräfte bindenden Vorschriften demAuslande gegenüber eine Dehnung erfahrenmüssen. Wie sollte es sonst zu ermöglichensein, eine internationale Ausstellung zusam-menzubringen, wenn nicht den beauftragtenVertrauensmännern völlig freie Hand in derAuswahl der Künstler und Kunstwerke ge-lassen würde? Dazu kam noch, daß es dies-mal galt, das Ausland für ein völlig neuesUnternehmen zu interessieren, für die Aus-stellung einer Provinzialstadt, deren Namejenseits der Grenzen schon lange den altenKlang verloren hatte. Nicht immer ist dievorbedachte Abwicklung ihrer Aufgabe demErmessen und den Wünschen der Vertrauens-männer anheimgegeben, sie werden vielmehrbei der Anwerbung der Kunstwerke in denweitaus zahlreicheren Fällen auf das an-gewiesen sein, was gerade zur gegebenenZeit im Atelier, im Kunsthandel oder im Privatbesitz zu haben ist. Wenn sie dabei noch denwünschenswerten und sehr verständigen Gesichtspunkt beobachten, die einzelnen Länder durchbesonders charakteristische Vertreter einer nationalen Kunstweise respräsentieren zu wollen, sowird das Zurückgreifen auf Künstler, die nicht mehr unter den Lebenden weilen, oder auf solche,deren hervorstechende Betätigung jahrzehntelang zurückliegt, nicht zu umgehen sein. Zum Glück!Denn gerade die aus der Notwendigkeit gegebener Verhältnisse heraus geborenen Kunstwerke, dieuns sagen, weshalb sich ein Volk so gibt, wie es ist, weshalb seine Künstler ihre besondereSprache reden müssen, üben mit der ihnen ureigenen Würze des Bodenständigen den allernach-haltigsten Eindruck aus. Da könnte die Befürchtung Platz greifen, daß sich die Fülle oder dieWucht dieser Eindrücke zu einer direkten Beeinflussung unserer Künstler verdichten würde. Demist entgegen zu halten, daß diese Gefahr zunächst nur bei schwächeren, nicht auf sich selbstgestellten Kräften vorliegt; aber wer wollte anderseits leugnen, daß nicht das Beispiel fremderGeschlossenheit uns zur eignen Konzentration zurückzuführen vermöchte, zur Sammlung, zurBesinnung auf uns selbst, die uns so bitter not tut? Mehr wie je kam es im vergangenen Jahre,wo numerisch das junge Düsseldorf am stärksten vertreten war, zum Ausdruck, daß von einerDüsseldorfer Kunst im lokalen Sinne eigentlich kaum noch gesprochen werden kann, wenn auchdas Nachwirken starker Traditionen die gutbürgerliche Solidität einer gewissenhaften Durchbildungimmer wieder in die Erscheinung rückte. Frankreich, Spanien, Holland, England, Belgien, dieSchweiz und Italien, Rußland und Polen, ja selbst die deutschen Kunstzentren Berlin, München,Karlsruhe u. a., hatten im gewissen Sinne ihre persönliche Note auch Düsseldorf?

Die meisten Bilder, die von den Wänden der Düsseldorfer Säle herunterblickten, konntenebenso gut in einer anderen Stadt, in einem anderen Lande gemalt sein, wie am Rhein. Den

Claus Meyer

.Fürchtet Euch nicht'