Druckschrift 
Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

VERTEILUNG DER ARBEITEN

65

Für die Kunstausstellung muß hier in erster Linie Hermann Schulte, der Inhaber der großenKunsthandlung, genannt werden, der den von ihm geäußerten Gedanken, eine Sonderausstellungvon Werken Adolf von Menzels in der eigentlichen Kunstausstellung einzureihen, mit der ihmeigenen Energie verfolgte, dafür das Einverständnis und die Mithülfe der Königlichen Staatsregierungin Gemeinschaft mit dem Vorsitzenden erreichte und die Besitzer von Kunstwerken Menzels zurHergabe ihrer Schätze zu bewegen wußte, so daß die Menzel-Ausstellung einen Glanzpunkt derKunstausstellung bildete. Auch bei den übrigen Teilen der Kunstausstellung hat Schulte in ausge-zeichneter Weise die Ausstellungsleitung unterstützt.

Für die einzelnen Länder, die bei der Kunstausstellung vertreten waren, wurden Vertrauens-männer gewonnen, unter denen vor allem der Bildhauer Henri Kautsch in Paris und der MalerNeven Du Mont in London als mustergültige Mithelfer zu verzeichnen sind.

Der in Österreich geborene Bildhauer Henri Kautsch, der seit einer langen Reihe von Jahrenin Paris lebt, hat sich durch rastlose Arbeit und durch seinen feinen Geist und seine gewinnendeWeise in der Künstlerwelt eine so feste Stellung erworben, daß unter seiner Leitung dieberühmtesten französischen Künstler sich vereinigten und Rodin, Bartholome und Zuloaga sichentschlossen, Sonderausstellungen, die ihren künstlerischen Werdegang darstellten, zu veranstalten.

Ebenso gelang es Neven Du Mont, die vornehmsten englischen Künstler zu bewegen, die Aus-stellung in vorzüglicher Weise zu beschicken. Nur wer die Verhältnisse kennt, weiß zu beurteilen,welche unendliche Mühe aufzuwenden war und welche Geschicklichkeit und Hartnäckigkeit dazugehört, eine englische Abteilung, wie sie Düsseldorf sah, zusammenzustellen.

Eine gleiche Hingebung bewies Hofrat Dr. Fastenrath bei der Einrichtung der spanischenAbteilung. Er war zu einer Vermittlerrolle in diesem Falle um so mehr berufen, da er, selbst alsSchriftsteller und Dichter rühmlichst bekannt, sein ganzes Leben dem Ziele gewidmet hat, diespanische und deutsche Kultur einander näher zu bringen und den geistigen Austausch zwischendiesen beiden Ländern vermitteln zu helfen. Mit großer Gewissenhaftigkeit haben sich auch dieandern Vertrauensmänner der von ihnen übernommenen Aufgaben entledigt. So verdanken wir demMaler Hugo Darnaut in Wien eine angemessene Beteiligung der österreichischen Kunst; demBudapester Professor Bela Läzär eine anziehende Kollektion ungarischer Kunstwerke. ProfessorLeonid Pasternack hatte den Erfolg, eine Sammlung russischer Kunstwerke zur Ausstellung zubringen, und der Privatdozent Dr. Karo aus Bonn ermöglichte eine Übersicht über das Kunstschaffenin Italien. Professor Julian Falat in Krakau erschien mit einer Reihe polnischer Kunstwerke, undMuseumsdirektor Dr. Deneken-Krefeld, der überdies die sehr sehenswerte internationale Gefäßeaus-stellung mit vollendetem Geschmack und feinstem Kunstverständnis zusammenstellte, hat mit Hin-gebung und großem Erfolg eine Kunstausstellung der skandinavischen Länder in die Wege geleitet.Drei Düsseldorfer Künstler, die Maler Heinrich Hermanns, Eugen Kampf und Fritz Westendorp,haben auf dem Gebiete der Malerei und Plastik eine geradezu vorzügliche Vertretung der belgischenund holländischen Kunst zustande gebracht. Und Bankier Wilhelm Pfeiffer in Düsseldorfmachte es durch eine reiche Stiftung möglich, die Räume, welche die Ausstellung Adolf von Menzelsaufnehmen sollten, in einer prächtigen Weise auszustatten.

Bei der Gartenbau-Ausstellung waren außer den dem Vorstande angehörenden Hauptleiterneinzelne Fachleute in ganz hervorragender Weise tätig.

Otto Beyrodt, der bekannte Orchideenzüchter Deutschlands, der es in der kurzen Zeit vonwenigen Jahren verstanden hat, seine Kulturanlagen so zu entwickeln, daß sie mit den ersten Frank-reichs, Englands und Belgiens sich ebenbürtig behaupten, dessen Züchtungen schon einen solchenUmfang angenommen haben, daß ein großer Teil der in Deutschland verbrauchten Orchideen nichtmehr vom Auslande bezogen wird, hat trotz der Arbeit, die ihm sein großer Betrieb auferlegte, dieDurchführung von drei bedeutenden Orchideen-Ausstellungen in Düsseldorf übernommen. SeineArbeit ist dabei von einem solchen Erfolg gekrönt worden, daß der bis dahin einzige Fall eintrat,daß auf einer Sonderausstellung die drei größten Orchideenzüchter Europas zugleich mit ihrenmärchenhaften Pflanzen erschienen und in Wettbewerb traten.

Der Verleger und Redakteur der ZeitschriftBindekunst", J. Olberts in Erfurt, übernahm ingleich opferwilliger Weise die gesamten mit den Bindekunst-Ausstellungen verbundenen Arbeiten.Er hat in feinsinniger Weise die vielen Programme auf das sorgfältigste ausgearbeitet und wußteseine internationale Schau im September so zu gestalten, daß sie die allgemeine Aufmerksamkeitdes In- und Auslandes erregte, die Großherzogin von Baden nach Düsseldorf führte und die größteBesucherzahl der Ausstellung aufweisen konnte.

Unter den Mitarbeitern, welche es sich angelegen sein ließen, den freundlichst übernommenenTeil in vorzüglichster Weise durchzuführen, muß in erster Linie Professor Zacharias, Direktor