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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
Entstehung
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VERLAUF DER AUSSTELLUNG

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Die Grossherzogin von Baden besichtigt das mit ihremEhrenpreis ausgezeichnete Blumenarrangement

Es ist Pflicht, beim Verlassen eines gastlichen Hausesdem Gastgeber zu danken für die frohen Stunden, dieman unter seinem Dache gefunden hat. Wir und mituns viele Tausende, die in den letzten sechs Monatendieses Gelände besucht haben, haben heute dieser Pflichtzu genügen. So gern ich meinerseits den Dank zumAusdruck bringe, so zögernd habe ich es übernommen,in dieser Sache als Sprecher vor die Männer zu treten,denen diese Dankesbezeugung gebührt. Ich bin mirbewusst, wie wenig mein Wort genügt, alles auszu-sprechen, was unzählige dankesfrohe Menschen der Füllevon Gutem und Schönem gegenüber, was hier von Naturund Kunst geboten worden ist, empfunden haben. Alsvor zwei Jahren die letzten Besucher die herrliche, inder Geschichte dieser Stadt epochemachende Ausstellungverliessen, wagte kaum einer daran zu denken, dass soschnell wieder ein Heerrufer in Düsseldorf auftreten undzu neuem Wettstreite in die Schranken rufen werde.Aber die Kräfte der Männer von 1902 sind noch nichterschöpft. Mit der Erfüllung der glänzend gelösten Auf-gabe traten sie an die Lösung neuer Probleme heran.Waren es 1902 fest begrenzte Gebiete wirtschaftlichenArbeitens und künstlichen Schaffens, die sich und derWelt an dieser Stelle über ihr Können und WollenRechenschaft ablegten, so sollte jetzt der Ruf an die Künstler der ganzen modernen Kulturwelt erfo gen, aufdeutschem Boden um den Preis des ewig Schönen zu ringen. Es gehörte der unvergleichliche Wagemut einesFriedrich Roeber und der tatkräftigen und weitblickenden Männer, die 1902 an seiner Seite gestanden, dazu, überdie nationalen Grenzen hinwegschreitend, die Kunst, das vornehme Gemeingut aller Kulturvölker, in den ihr neuerstandenen Palast am Niederrhein als Gast zu laden. Kaum war so die Frage der Internationalen Kunstausstel-lung aufgeworfen, so zeigte sich auch hier wieder das Wachsen der Menschen mit den höheren Zielen. Nebender Kunst der Malerei und der Plastik sollte auch das Ringen und Forschen der Menschen in der Natur auf demGebiete der Gartenkunst als internationale Schaustellung dargeboten werden. Neben der Malerei und Plastik unsererZeit in ihren freilich noch umstrittenen Richtungen sollte die der Geschichte angehörende, abgeklärte Kunst derVergangenheit, sollten die Erzeugnisse gläubig frommen Schaffens der kirchlichen Kunst ihre Stellen finden. DerRuf ist nicht vergeblich ergangen. Die Künstler aller Sprachen haben ihn verstanden und sind ihm gefolgt.Kirchen, Behörden und Private haben ihre sorglich gehegten, kostbaren Schätze dargeboten. In buntem Wechselsind die herrlichsten Erzeugnisse der Gartenbaukunst an uns vorbeigezogen. Dankbar erkennen wir es heute an,dass in unvergleichlicher Einmütigkeit Ausstellung und Leitung ihre hohen Ziele verfolgt und erreicht haben.

Wie diese hohen Ziele erreicht worden sind, Sie haben es alle gesehen, anerkannt und bewundert. Wie sieerstrebt und erarbeitet worden sind, verbirgt sich vor der Öffentlichkeit. Wir sehen nur das Fertige, nicht dasWerden, nicht das mühsame aber unverzagte Ringen, dem Werdenden Raum und Lebenskraft zu schaffen und zu

erhalten. Dieses unermüdlichen Schaffens und Arbeitens dankbar zu ge-denken, ist in dieser Stunde, dem abgeschlossenen Werke gegenüber, unserePflicht. Wie wollen wir aber unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen?Herr Professor Roeber hat bei der Eröffnung der Internationalen Obstaus-stellung ein Wort gesprochen, welches nicht vergessen werden darf: Alsdie sündigen Menschen das Paradies verlassen mussten, wurde ihnen alskostbares Gut die Arbeit mit auf den Weg gegeben. Wenn wir heutedieses Eden verlassen müssen, wollen auch wir dieses Gut mit hinaus-nehmen: Die Arbeit im Sinne der Männer von 1902 und 1904, eines HeinrichLueg und Friedrich Roeber, die selbstlose, hingebende Arbeit für alles Grosse,Gute und Schöne, was der Menschen Dasein zu heben und zu veredelnbestimmt ist.

Im Leben der Völker, der Staaten, der Gemeinden, wie des Einzelnenkehren gewisse typische Erscheinungen immer wieder. Wenn ich die Ent-wicklung dieser Stadt, als deren Bürger ich heute vor Ihnen sprechen darf,betrachte, so ist diese Erscheinung bei ihrem Entstehen gegeben und kehrtin unüberwindlicher Schaffenskraft immer wieder. Vor sechs Jahrhundertenwar es ein kraftvoller Sohn des bergischen Landes, der hier ins Rheinlandhinabstieg, um den Bürgern eine Stätte sicheren und freien Arbeitens zugründen, indem er dem unscheinbaren Dorfe an der Dussel die Rechteeiner Stadt gab. Es war Graf Adolf von Berg. Jahrhunderte hindurch sindihm andere kräftige Söhne der Berge hierher gefolgt. Das kleine Dorf istzur blühenden Hauptstadt des bergischen Landes geworden. Wenn heuteder mächtige Schutzherr unseres Reiches, der deutsche Kaiser als Königvon Preussen, des dürfen wir sicher sein, mit Genugtuung den Titel einesGrafen von Berg führt, so sind wir auch überzeugt, dass das bergische Landmit seiner Hauptstadt als ein Schmuck in seiner Krone glänzt. Möge dasbergische Land diese stolze Stelle dauernd behaupten, möge es aber auchnicht aufhören, uns seine Söhne in diese seine Hauptstadt zu senden, umdie Kraft, die in der reinen Luft der Berge gross geworden ist, in denDienst eines rastlos voranstrebenden Gemeinwesens zu stellen, eines Ge-meinwesens, welches seine Aufgabe darin erkannt hat, jederzeit jedes seinerGlieder zu fördern zu wirtschaftlicher Kraft und geistiger Freiheit.

Die Grossherzogin von Baden in der SchwarzwaldAusstellung