IV Einleitung. Erstes Kapitel
von Wundern am Grabe dieses Aravatius berichtet, die in der späterenLegendenschreibung stets vom hl. Servatius erzählt werden. DerSchluß, den Bruno Krusch (MG. scr. rer. merov. III 83,1) gezogen hat,daß der Servatio des Sulpicius und der Aravatius Gregors verschiedene
5 Personen gewesen sein müssen, ist unabweislich richtig und manwird irgend eine absichtliche oder unabsichtliche Verwirrung in derÜberlieferung annehmen müssen. Die auf uns gekommenen Bischofs-kataloge von Tongern, Maastriecht und Lüttich setzen die Geschichts-schreibung Hergers von Lobbes voraus: sie können Gregors Zeug-
io nis nicht entkräften.
Wann die Übertragung der Aravatiuslegende auf Servatius statt-gefunden hat, ist nicht bestimmt feststellbar. Sie dürfte zu Ende dessiebenten oder Anfang des achten Jahrhunderts vorgenommen wordensein. Aus dieser Zeit nämlich stammt eine hie und da in den Reden
15 des Heiligen erweiterte, die Kapp. 4—5 umfassende Epitome aus demzweiten Buch der Historia Francomm (BHL. 7611). Alles, was hiervon Aravatius erzählt wird, ist auf Servatius übertragen. Mit diesemAnsatz stimmt überein, daß die jüngste Gruppe der Handschriften desMartyrologiums Hieronymianum, die sogenannte Redaktion von Fon-
20 tanella, die um 750 in Neustrien entstand, zum 13. Mai den hl. Ser-vatius aufführt. Den hl. Aravatius kennt sie nicht. Daß man damalsin Maastriecht, dem Mittelpunkt der Servatiusverehrung, auch nur nochden hl. Servatius, nicht aber den hl. Aravatius kannte, bezeugen dieGesta abbatum Fontanellenslum (hg. S. Loewenfeld S. 37 f.) Kap. 13.
25 Als Wando 742 die Abtei Wandrille übernahm, erbat er sich von denMönchen von St. Servais in Maastriecht, wo er bis dahin in der Ver-bannung geweilt hatte, Reliquien vom hl. Servatius, führte sie nachFontaneila und erbaute dort südlich von St. Peter dem Heiligen eineKirche, in der er die Reliquien barg. Am 1. Oktober war die Kirch-
30 weih. Vielleicht stand Wando den Fontaneller Interpolationen imMartyrologium Hieronymianum nicht ganz ferne, denn er war eingroßer Verehrer des hl. Servatius. Hatte er doch seine Wunderkraftselbst erfahren, als er in der von ihm erbauten, seinem Schutzpatrongeweihten Kapelle, samt dieser vor den Flammen der abbrennenden
35 benachbarten St. Peterkirche verschont blieb. Als Paulus Diakonus784 seine Geschichte der Bischöfe von Metz schrieb, kannte mandort nur noch den hl. Servatius.