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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
VI
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VI Vorwort

Stoff von allen Seiten beikommen zu können. Da zeigte sich aber,daß die rein germanistische Aufgabe auf rein germanistischem Wegenicht gelöst werden konnte, daß die Waffen, deren sich die deutschePhilologie für gewöhnlich bedient, nicht fähig waren, mit Erfolg ein-zugreifen. Das hätte eine schwere Niederlage werden können, be-deutete aber keineswegs das Signal, daß die Germanisten anderenFachleuten das Feld zu räumen haben. Im Gegenteil, sie haben diePflicht und Schuldigkeit, sich eben andere, brauchbarere Waffen zuschmieden!

So sucht das Buch durch die Tat sich gegen eine sich seit etwa zehnJahren ausbreitende Einseitigkeit im Betrieb unserer deutschen mittel-alterlichen Philologie zu wenden. Man scheint nämlich allmählichganz zu vergessen, daß die Philologie zu den Geschichtswissenschaftengehört, man meint vielmehr, ihr Wesen bestehe im Anfertigen vonStatistiken und Experimentieren nach Art der Medizin und Natur-wissenschaften. Alle möglichen Dinge werden mit einer Breite undeiner Wichtigkeit behandelt, die ihnen in keiner Weise zukommt. Manhat heute häufig das Gefühl, daß hier nicht um des Stoffes willenwissenschaftlich gearbeitet wird, sondern daß man der Ansicht ist, derStoff sei dazu da, damit gearbeitet werden kann. Der Wissenschaftlererniedrigt sich so selbst zum Arbeiter, während er doch gleich demKünstler formen und schöpfen soll! Reimuntersuchungen, nach Hun-derten von Seiten zählende metrische Abhandlungen und allerhandgrammatischer Kleinkram von möglichst engem Gesichtswinkel ausbetrachtet, bilden gegenwärtig den Angelpunkt germanistischer Dis-kussion, aber nur selten finden sich Ansätze, daß man die Werke,welche man behandelt, aus der Geschichte ihrer Zeit heraus zu ver-stehen sucht. Gibt es ja unter den Germanisten Leute, welche in derLiteraturgeschichte überhaupt etwas Minderwertiges sehen, und Vertreterder älteren Literaturgeschichte, für die Chronologie und Geschichtenicht existieren.

Diese an sich schon äußerst ungesunden Zustände haben abernoch zu weiteren Unzuträglichkeiten geführt. Mit gewissen, seinerzeiternst und ehrlich gemeinten, heute aber zu Schlagern gewordenen