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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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des Morgensterns zu schimmern beginnt, unterscheidet sie die dunkeln Helmeund die Schilde der Freunde. Es sind wenige Worte, welche dies andeuten,aber sie geben ein anschauliches Bild, bestimmt, die Spannung vor einemwichtigen geschichtlichen Ereignis zu vermehren. Nicht anders macht esHomer, wenn er die Zyklopeninsel schildert und die geordneten Gärten desAlkinous: er will anschaulich machen die üppige Fülle der Wildnis, in der dieriesigen Ungeheuer leben, und den prächtigen Wohnsitz eines mächtigenKönigs. Beide Dichter gehen nicht darauf aus, eine für sich bestehende Natur-schilderung zu entwerfen.

Dem schlichten Volksepos stehen die inhaltreichen Erzählungen der ritter-lichen Dichter des dreizehnten Jahrhunderts entgegen, die eine bewußte Kunstübten und unter welchen sich Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbachund Gottfried von Straßburg im Beginn des Jahrhunderts so sehr hervorheben,daß man sie die Großen und Klassischen nennen kann. Aus ihren umfang-reichen Werken würde man Beweise genug von tiefem Gefühl für die Natur,wie es zumal in Gleichnissen ausbricht, sammeln können, aber der Gedankean unabhängige Naturschilderungen war auch ihnen fremd. Sie hemmtennicht den Fortschritt der Handlung, um bei der Betrachtung des ruhigen Lebensder Natur stillezustehn. Wie verschieden davon sind die neueren dichterischenKompositionen! Bernard in de St. Pierre braucht die Ereignisse nur als Rah-men für seine Gemälde. Die lyrischen Dichter des dreizehnten Jahrhunderts,zumal wenn sie die Minne besingen (was sie nicht immer tun), reden oft genugvon dem milden Mai, dem Gesang der Nachtigall, dem Tau, welcher an denBlüten der Heide glänzt, aber immer nur in Beziehung der Gefühle, die sichdarin abspiegeln sollen. Um trauernde Stimmungen zu bezeichnen, wird derfalben Blätter, der verstummenden Vögel, der in Schnee vergrabenen Saatengedacht. Dieselben Gedanken, freilich schön und sehr verschiedenartig ausge-drückt, kehren unablässig wieder. Der seelenvolle Walther von der Vogelweideund der tiefsinnige Wolfram von Eschenbach, von dem wir leider nur wenigelyrische Gesänge besitzen, sind hier als glänzende Beispiele aufzuführen.Die Frage, ob der Kontakt mit dem südlichen Italien oder durch die Kreuzzügemit Kleinasien, Syrien und Palästina die deutsche Dichtkunst nicht mit neuenNaturbildern bereichert habe, kann im allgemeinen nur verneint werden. Manbemerkt nicht, daß die Bekanntschaft mit dem Orient dem Minnesang eineandere Richtung gegeben habe. Die Kreuzfahrer kamen wenig in nahe Ver-bindung mit den Sarazenen, ja, sie lebten selbst mit anderen Völkern, die fürdieselbe Sache kämpften, in großer Spannung. Einer der ältesten lyrischenDichter war Friedrich von Hausen. Er kam in dem Heere Barbarossas um.Seine Lieder enthalten vielfache Beziehungen auf die Kreuzfahrt, aber diedrücken nur religiöse Ansichten aus oder den Schmerz, sich von der Ge-liebten getrennt zu sehen. Von dem Lande fand er und alle, die an den Kreuz-zügen teilnahmen, wie Reimar der Alte, Rubin, Neidhardt und Ulrich vonLichtenstein, nicht Veranlassung etwas zu sagen. Reimar kam als Pilgrimnach Syrien, wie es scheint, im Gefolge Herzog Leopolds VI. von Österreich.Er klagt, daß die Gedanken an die Heimat ihn nicht loslassen und ihn von Gottabziehen. Die Dattelpalme wird hier einige Male genannt, wo der Palmen-

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