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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
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werden nach getaner Pflicht von dem Fluß, der sie ausgespien, wieder ver-schluckt, und schon eilt die Alba, vollständig gesammelt, raschen Laufs durchdas abfallende Tal. Wie er an seinen Ort wieder hinfließt, so wollen auch wirzu unserem Ort zurückkehren und die weithin sich dehnende Wiesenflächein straff zusammengefaßter Rede überspringen.

Viel Lieblichkeit besitzt jener Ort, viel, was die müden Geister erleichtert unddas ängstliche Seufzen löst, viel, was die, so den Herren suchen, zur frommenErgebung entzündet und an die himmlische Süßigkeit mahnt, nach der wirseufzen, wenn der Erde Antlitz in mannigfaltigen Farben lächelt, durch seingrünend Bild die Augen weidet und süßduftenden Geruch ausströmt. Aberwenn ich die Blüte sehe, wenn ich den Duft der Blüte spüre, ,wollen die Wiesenmich an alte Geschichten erinnern', denn wenn ich den wonnigen Duft ein-sauge, fällt mir ein, daß der Wohlgeruch von des Patriarchen Jakob Kleid mitdem süßen Duft eines vollen Ackers verglichen wird. Und während ich meineAugen an der Farbe ergötze, erinnere ich mich, daß ihr Aussehen dem Pur-pur Salomos vorgezogen wurde, und wenn ich so die äußerliche Verrichtunggenieße, ergötze ich mich nicht wenig an dem verborgenen Geheimnis. DieseWiese also wird durch den sie durchströmenden Fluß bewässert und schicktihre Wurzeln nach seiner Feuchtigkeit: daher fürchtet sie sich nicht, wenn der

Sommer kommt.--------

Aber während ich fliegenden Laufs die Ebene durcheile, während ich atemlosan steiler Höhe keuche oder die von der Hand der Weisheit selbst gemalte Pur-purfläche der Wiese oder die mit Bäumen besetzten Berghöhen beschreibe,klagt mich jener gar süße Born der Undankbarkeit an: er habe mir nicht bloßdie Hände, sondern auch die Füße gewaschen. Und in der Tat kann ich nichtbestreiten, daß ich zu spät an ihn gedacht habe, wenn ich vor ihm überhauptan jemand gedacht habe. Er gleitet aber unterirdisch hin- und herfließendschweigend dahin, so daß man nicht einmal an einem leisen Murmeln sein Vor-überfließen erkennen kann, wie das Wasser von Siloah verdeckt er, als fürch-tete er, sich zu verraten, überall seinen Ursprung und läßt sich nicht blicken.Er entspringt, was als Zeichen der Güte gilt, der aufgehenden Sonne entgegen-gesetzt, so daß er zur Zeit der Sommersonnenwende der strahlenden Morgen-röte Rosenantlitz von der entgegengesetzten Seite her begrüßt. Wo der Bergihn ausspeit, verschluckt ihn das Tal und, an dem Ort, wo er entsteht, er gleich-sam auch vergeht und begraben wird. Nach einer Meile tritt er wieder hervor,aus dem Herzen der Erde wieder auferstanden. Nur für die Brüder ist er da,damit er sein Geschick mit niemand anderem als den Heiligen teile." (W. Gan-zenmüller, Das Naturgefühl im Mittelalter, 1914.)

GOTTFRIED VON VITERBO

Große Freude an der Beschreibung von örtlichkeiten hat Gottfried von Viterbo,so sagt er zum Beispiel vom Gau vonNymwegen:wo durch das Land bunt ge-färbt der Waal alles bewässert. Dieses Wasser ist selten durch eine Furt zuüberschreiten, die hohen Ufer des Flusses erheben sich auf einem Felsen, daraufsteht kunstreich hingebaut der säulengeschmückte Palast, in weitem Umkreis

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