vorgelockt, teils schon erwachsene Früchte mild gekocht werden. Daß aberder Westwind diesen Garten durchstrich, dies kam vielleicht daher, weil derGarten mit Sorgfalt und Vorsicht so angelegt war, daß er Schutz vor Nord-und anderen Winden hatte und ihm die Aussicht gegen Westen hin offen stund.— Die Bäume waren ferner sehr tragbar, denn Birnen hängen auf Birnen,Äpfel auf Äpfel, Beeren auf Beeren, Feigen auf Feigen. — Dies war die Be-schreibung des eigentlichen Obstgartens, nun beschreibt er auch den Wein-berg, welcher sich gleichfalls mit in dem Einschlüsse des Gartens befand.Mit diesem Weinberge verhält es sich ebenso, wie mit den Obstfruchtbäumen.Der eine Teil des Weinberges wird erstlich noch von der Sonne ausgekocht,die Trauben sind hier noch nicht reif. Andere aber werden eben gelesen undandere sind schon gekeltert. Alles in der Stufenfolge. Homer sagt, der Wein-berg war der Sonne sehr ausgesetzt und lag in einer weiten Gegend. Diese letz-teren Worte sagen wohl so viel: der Weinberg hatte Reihen von Stöcken, unddiese waren in gehörigen Zwischenräumen also voneinander entfernt, daßSonne und Luft den Zugang zu ihnen hatten. Nimmt man aber noch eine an-dere sich vorfindende Bedeutung des Wortes in dem Sinne „tief" an, so ergibtsich daraus, daß der Weinberg an einem Hügel angelegt sein mochte, und dannbedeuteten die angeführten griechischen Worte so viel, als: in Terrassen, siehießen: eine herabsteigende tiefgehende Gegend. Dies deutete nun schon aufeine vorzügliche Kultur des Weinbaues in jenen frühen Zeiten hin. — Damitdie Stufenfolge in den Früchten des Weinberges vollständig angegeben wird,so sagt er: zunächst vor dem Ulysses stehen Weinstöcke, die erstlich Blütentragen, und andere, deren Blüten auskriechen usw.
Indessen der Garten ist nicht bloß dem Nutzen und dem Gaurn geweiht, sondernauch für die Belustigung des Auges gesorgt. Man hat das Nützliche und Ange-nehme mit dem Schönen verbunden. Es befinden sich nämlich in ihm wohlge-schmückte Gartenbeete — dies heißt Beete, die mit Blumen besetzt sind, undzwar mit allerlei Arten von Blumen. Und auch auf diesen trifft man keineSpur der Veränderlichkeit, des Verwelkens an, sie bleiben das ganze Jahr hin-durch schön, sie werden immerfort mit Blumen besetzt, welche zu blühen an-fangen, wenn andere verblüht sind. Also auch hier schon die erste deutlicheSpur von gepflegtem Blumenflor.
Damit der Garten immer fruchtbar und blühend erhalten wird, so laufen zweiQuellen durch ihn. Die eine derselben wässert den Garten, die andere aber gehtin den Hof und gibt das Wasser zum häuslichen Gebrauche.Welche reizende und vortreffliche Gartenanlage! Durchaus zeugend von Stu-dium Erfahrung, Einsicht und Geschmack. Durch sie wird mehr als ein Sinnbefriedigt, in ihr findet sich nicht das Nutzleere der bloßen englischen Parks,noch das Geschmacklose der Bauerngärten in unseren Tagen. Wie viel weiterhätten wir es denn bringen können, wenn wir die alten Griechen, die ältestendie wir kennen, auch hier stets zum Muster genommen hätten! (Karl LudwigSickler, Geschichte der Obstkultur, 1802.)
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