Welch ein herrliches und genaues Gemälde des ältesten Gartenbaues! schonbehagend der Phantasie als bloße Dichtung, und wenn ihr wirklich auch nichtdas geringste Wahre zum Grunde läge, aber noch weit erfreulicher für denPfleger des Obstbaumes und Weinstockes, der an dem ältesten Schicksale des-selben ein lebhaftes Interesse und an der Geschichte desselben ein vorzüglichesVergnügen findet! —
Wenn wir diese Beschreibung genauer durchgehen und jedes einzelne in der-selben aufmerksam betrachten, so läßt sich ungefähr folgendes bestimmtesBild von der Gewohnheit und Kunst der Alten in den ältesten Zeiten, ihre Gärteneinzurichten, entwerfen.
Homer sagt, der Garten war außerhalb des Hofes und also nicht eingeschlossenvon der Ringmauer, welche den Hof umgab. Gerade so, wie in unseren Zeiten,wo die Gärten, mag es auf Dörfern oder in Städten sein, mehrenteils einen ganzabgesonderten Teil von der Hof- und Hausflur ausmachen. Jedoch, dieserGarten war auch nicht zu weit von derselben entfernt, er war ganz nahe an denToren des Hofes und wahrscheinlich also gelegen, daß man sogleich aus denToren desselben in den Garten trat. Homer sagt ferner, daß er groß war, ja, erist ganz genau in der Bestimmung desselben — er gibt seine Größe auf vierJoche oder Acker an. — Eine ansehnliche Größe, wo schon mancher schönerFruchtbaum erzogen werden konnte. Aber dieser Garten stand nicht frei, erwar kein bloßer mit Fruchtbäumen besetzter Platz, den Beschädigungen derMenschen und des Viehes ausgesetzt, sondern die erhaltende Sorgfalt der Men-schen hatte ihn mit einem Zaun umgeben. Hieraus läßt sich schon auf einevorzügliche Kultur des Obstbaues schließen. Man hegte und pflegte die edelnFruchtbäume, in deren Besitz man war. — Die Bäume, welche in demselbensich befanden, waren herrlich und hoch erwachsen. Auch dieses zeigt auf da-malige schon hohe Kultur des Obstbaumes hin. Die ersten Fruchtbäume näm-lich waren, nach Androtions Meinung beim Theophrast und nach Theophrastseigener Behauptung, anfänglich unansehnlich und klein, sie waren nochStaudengewächse. Selbst da noch, als man sie schon aus der Wildnis gebrachtund gepflegt hatte, wollten sie nicht hoch erwachsen. Viele Zeit verging, ehesie durch vieles Ausputzen und Schneiden zu einem Stamm sich bildeten undfolglich sich zu erheben vermochten. Die Insel Korfu, oder das Korcyra derAlten, muß also die vom Herkules nach Griechenland gebrachten Obstbäumebald erhalten und in dem Garten des Alkinoos sie frühzeitig kultiviert haben.Er nennt nun auch diese Bäume. Sie sind: Birnbäume, Granatäpfelbäume,Äpfelbäume mit herrlichen Früchten, süße Früchte tragende Feigenbäumeund immer grünende Olivenbäume. Dies sind aber bloß Hauptgattungen vonFruchtbäumen, besondere Arten nennt er nicht, entweder weil dazumal nochkeine einzelnen Sorten vorhanden waren, oder vielmehr, weil die dichterischeBeschreibung ein solches Detail nicht zuließ.
Diese Bäume haben aber das Vorzügliche, daß sie nie von Früchten leer sind,sondern daß, wenn die einen reif werden, andere blühen, ansetzen und andereabfallen. Sommer und Winter hindurch strotzen sie von milden Gaben, sieempfinden keinen Wechsel der Jahreszeit. Die Ursache davon ist, daß immerein sanfter Westwind den Garten durchstreicht, wodurch teils Keime her-
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