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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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wir endlich anderes Eigentum als diese? Jeder liebt sein Land, seine Sitten,seine Sprache, sein Weib, seine Kinder, nicht weil sie die besten auf der Welt,sondern weil sie die bewährten Seinigen sind und er in ihnen sich und seineMühe selbst liebt. So gewöhnt sich jeder auch an die schlechteste Speise, andie härteste Lebensart, an die roheste Sitte des rauhesten Klimas und findetzuletzt in ihm Behaglichkeit und Ruhe. Selbst die Zugvögel nisten, wo siegeboren sind, und das schlechteste, rauheste Vaterland hat oft für den Men-schenstamm, der sich daran gewöhnte, die ziehendsten Fesseln. (Herder, Ideenzur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 1784/1791.)

BESEELUNG DER RÄUME UND BEWEGUNGEN AUF DER ERDE

Die Räume, die Zeiten, die Gestalten und Formen, die Raumerfüllungen inihren Konstruktionen und Organisationen auf dem Planeten an sich, immerdie einen und dieselben in ihren Werten, bleiben, in ihren Relationen zum Erd-ball, als Wohnhaus des Menschengeschlechts gedacht, nicht dieselben, sondernsie ändern ihre relativen Werte wirklich mit dem Fortgange der Jahrtausendeund Jahrhunderte ab. Die Art der Raumerfüllung wird daher für die Betrach-tung von Jahrhundert zu Jahrhundert, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt eine andere.Denn wenn der Mensch, mit Alexander vonHumboldts Ausdruck zureden,neue Organe sich schafft, um mit den genauesten Instrumenten, welche diebeschränkte Sphäre seiner Sinneswerkzeuge erweitert, tiefer in die Erdrinde,wie zu dem Meeresboden hinabzureichen, und dort die Temperatur der Tiefen,die unbekannten Erdarten und Gewässer, die Salzlager, die dichteren Erd- undWasserschichten und alles, was ihnen zugehört, durch Batho- und Thermo-meter, durch Pendelschwingungen, durch Bohrversuche, artesische Brunnenund dergleichen zu sich heraufzuheben, was geschieht da anderes, als daßdie erfüllten Räume der Planetenrinde sich in der Tat in ein verschiedenes,als das bisherige Verhältnis dieses Wohnplatzes zum Menschen stellen? Undebenso, wie sich nach oben durch die Organe der Barometer, der Hygrometerund anderer Meßinstrumente, wie einst der Fernrohre, der Astrolabien undanderer Erfindungen des menschlichen Geistes, der Gesichts- und über-haupt der Gefühlskreis des Menschen wirklich erweiterte, in demselben Maßerückte ihm auch die äußere Welt näher, die Relationen der Raumverhältnissewurden für den von Menschen bewohnten Erdball andere.Aber nicht nur die Distanzen nach unten und oben, sondern auch die Raum-unterschiede nach allen Richtungen hin werden durch ähnliche Fortschritteeiner universellen Telegraphik umgewandelt, seien es neuerfundene Organeder genannten Art oder wissenschaftliche Fortschritte oder Kulturentwick-lungen, wodurch die Völker sich in andere Räume verbreiten lernen, wie diePflanzen und Tiere in andere klimatische Zonen gedeihlich übergehen, unddie bis dahin unzugänglich gebliebenen, also fernabliegenden Enden der Erde seien es eisige Polarkreise oder himmlische Gipfelreihen oder einsame,gleichsam bis dahin mondferne, ozeanische Inseln, von denen keine Spur desDaseins für das Menschengeschlecht vorhanden war mit in den Kreis derzivilisierten Völkergemeinschaft gezogen werden. Was früher nicht vor-

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