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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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kommenden Morgen bereitlegt und dann ruhig schlafen geht, und könnteim Grunde gar nicht statthaben, wenn nicht an sich und seinem Wesen nachdas im Herbste sterbende Insekt mit dem im Frühling auskriechenden ebenso-wohl identisch wäre, wie der sich schlafenlegende Mensch mit dem auf-stehenden.

Wenn wir nun nach diesen Betrachtungen zu uns selbst und unserem Ge-schlechte zurückkehren und dann den Blick vorwärts, weit hinaus in dieZukunft werfen, die künftigen Generationen mit den Millionen ihrer Indi-viduen in der fremden Gestalt ihrer Sitten und Trachten uns zu vergegen-wärtigen suchen, dann aber mit der Frage dazwischenfahren: Woher werdendiese alle kommen? Wo sind sie jetzt? Wo ist der reiche Schoß des welten-schwangeren Nichts, der sie noch birgt, die kommenden Geschlechter?Wäre darauf nicht die lächelnde und wahre Antwort: wo anders sollen siesein als dort, wo allein das Reale stets war und sein wird, in der Gegenwartund ihrem Inhalt, also bei dir, dem betörten Frager, der in diesem Verkennenseines eigenen Wesens dem Blatte am Baume gleicht, welches im Herbstewelkend und im Begriff abzufallen jammert über seinen Untergang und sichnicht trösten lassen will durch den Hinblick auf das frische Grün, welches imFrühling den Baum bekleiden wird, sondern klagend spricht:Das bin jaich nicht! Das sind ganz andere Blätter!"O, törichtes Blatt! Wohin willstdu? Und woher sollen andere kommen? Wo ist das Nichts, des Schlund dufürchtest? Erkenne doch dein eigenes Wesen, gerade das, was vom Durstnach Dasein so erfüllt ist, erkenne es wieder in der innern, geheimen, treibendenKraft des Baumes, welche, stets eine und dieselbe, in allen Generationen vonBlättern unberührt bleibt vom Entstehen und Vergehen. Ob die Fliege, diejetzt um mich summt, am Abend einschläft und morgen wieder summt, oderob sie am Abend stirbt und im Frühjahr, aus ihrem Ei entstanden, eine andereFliege summt, das ist an sich dieselbe Sache: daher aber ist die Erkenntnis,die solches als zwei grundverschiedene Dinge darstellt, keine unbedingte,sondern eine relative, eine Erkenntnis der Erscheinung, nicht der Dinge ansich: Die Fliege ist am Morgen wieder da, sie ist auch im Frühjahr wieder da.Was unterscheidet für sie den Winter von der Nacht?

So weilt alles nur einen Augenblick und eilt dem Tode zu. Die Pflanze unddas Insekt sterben am Ende des Sommers, das Tier, der Mensch nach wenigJahren: der Tod mäht unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob demganz und gar nicht so wäre, ist jederzeit alles da und an Ort und Stelle, eben alswenn alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze, schwirrtdas Insekt, steht Tier und Mensch in unverwüstlicher Jugend da, und dieschon tausendmal genossenen Kirschen haben wir jeden Sommer wieder voruns. Auch die Völker stehen da als unsterbliche Individuen, wenn sie gleichbisweilen die Namen wechseln, sogar ist ihr Tun, Treiben und Leiden allezeitdasselbe, wenngleich die Geschichte stets etwas anderes zu erzählen vorgibt;denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine neueKonfiguration zeigt, während wir eigentlich immer dasselbe vor Augen haben.Was also dringt sich unwiderstehlicher auf als der Gedanke, daß jenes Ent-stehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe, sondern

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