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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
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bewußtlos folgen und dabei dennoch, wie wiederum auch wir, in sich selbstdie maßgebenden Gesetze tragen, welche mit den Gesetzen der Außenwelt inVerknüpfung stehen.

Es möchte scheinen, als übte die Natur Deutschlands und ihm gleich beschaf-fener Lagen, welche die goldene Mittelstraße geht, in mehr als einer Hinsicht

den Geselligkeitszug aus; wenigstens zeigt sich dies in der Pflanzenwelt.-------

Wald und Wiese sind zwei gesellschaftliche Erscheinungsformen der Pflanzen-welt, welche sich in Deutschland schärfer ausprägen, als in wärmeren LändernEuropas. Nicht nur daß die stolzen Bäume sich aus der Gesellschaft der nied-rigen Pflanzengeschlechter zurückziehen und im Walde sich dicht und eng zu-sammenscharen, auch unter sich beobachten sie das System der Ausschließ-lichkeit. Der Nadelwald trennt sich vom Laubwalde, ja, die Fichte trennt sichvon der Kiefer, die Buche von der Eiche. Dies ist wenigstens dann der Fall,wenn der Wald im Mittelgebirge seine Herrschaft entfaltet. In den frucht-baren Niederungen schwindet oft dieses Streben der Absonderung, und wir er-halten dadurch gegenüber jenen reinen Kiefern- oder Fichtenwaldungen dieschönen gemischten Laubwälder unserer Auengegenden.Die Wiese zeigt uns das Bild eines liebenswürdigen Widerspruchs: das treueZusammenhalten gleicher Brüder, der Gräser, und das freundliche Patronat der-selben gegen Fremde, die blumigen Wiesenkräuter, welche wir nirgends andersantreffen, als im grünen Schöße der Wiesengräser.

Oft drängt sich unser Interesse ein in die freie Vergesellschaftung der Pflanzen,und wir wenden alle Mittel der vorgeschrittenen Feldbestellung an, um vonunseren Getreidefeldern gewisse Pflanzen fernzuhalten, welche von Natur dasBedürfnis zu haben scheinen, die Gesellschaft der Getreidepflanzen, ja derenSchutz zu suchen. Gehaßte Unkräuter werden uns dann auch jene drei vom Dich-ter gepriesenen Blumen, dieblaue Cyane" nebst Kornrade und Ackermohn,deren heimatliche Berechtigung zuletzt die Schnitterin dennoch anerkennt, wennsie dem segenschweren Wagen auf dem Rechen den Erntekranz vorträgt, inwelchem sie jene drei Blumen zwischen die falben Ähren geflochten hatte.Der Wald steigert das ins Große, was die Wiese im Kleinen zeigt, und zwar invielen Abstufungen. Wir alle kennen die verschiedenen Grade der Gastfreund-schaft der Wälder. Der dicht gescharte Fichtenwald verstattet nur dem zier-lichen Völkchen der Moose das Lager zu den Füßen seiner Stämme, währendder weitästige Eichenwald Raum läßt für ein ganzes Heer von Gesträuchen undKräutern, der Buchenwald hingegen, den Nadelhölzern es an Selbstgenügsam-keit noch zuvortuend, unter sich fast gar keine Waldkräuter duldet; denn er be-deckt den Boden fußhoch mit den schier unverweslichen Leichen seines Laubes.(E. A. Roßmäßler, Der Wald, 1871.)

ÖRTLICHE BEDINGUNGEN DES WACHSTUMS

Alle Pflanzen wachsen hin und wieder wild in der Welt. Auch unsere Kunst-gewächse sind aus dem Schoß der freien Natur, wo sie in ihrem Himmelsstrichin größester Vollkommenheit wachsen. Mit den Tieren und Menschen ists nichtanders: denn jede Menschenart organisiert sich in ihrem Erdstrich zu der ihr

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