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5 (1927) Erde, Gewächs und Weltall
Entstehung
Seite
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wie gewöhnlich unter freiem Himmel auf einer Sandfläche am Ufer des Apurezu. Sie war von dem nahen, undurchdringlichen Walde begrenzt. Wir hattenMühe, dürres Holz zu finden, um das Feuer anzuzünden, mit denen nach derLandessitte jedes Biwak wegen der Angriffe des Jaguars umgeben wird. DieNacht war von milder Feuchte und mondhell. Mehrere Krokodile nähertensich dem Ufer. Ich glaube bemerkt zu haben, daß der Anblick des Feuerssie ebenso anlockt wie unsere Krebse und manche andere Wassertiere. DieRuder unserer Nachen wurden sorgfältig in den Boden gesenkt, um unsereHängematten daran zu befestigen. Es herrschte tiefe Ruhe, man hörte nurbisweilen das Schnarchen der Süßwasserdelphine, welche dem Flußnetze desOrinoko wie dem Ganges bis nach Benares hin eigentümlich sind und in langenZügen aufeinander folgten.

Nach 11 Uhr entstand ein solcher Lärm im nahen Walde, daß man die übrigeNacht hindurch auf jeden Schlaf verzichten mußte. Wildes Tiergeschreidurchtobte die Forst. Unter den vielen Stimmen, die gleichzeitig ertönten,konnten die Indianer nur die erkennen, welche nach kurzer Pause einzelngehört wurden. Es waren das einförmige jammernde Geheul der Aluaten(Brüllaffen), der winselnde, fein flötende Ton der kleinen Sapajous, dasschnarrende Murren des gestreiften Nachtaffen, das abgesetzte Geschrei desgroßen Tigers, des Cuguars oder ungemähnten amerikanischen Löwen, desPekari, des Faultieres und einer Schar von Papageien, Parraquas und andererfasanenartigen Vögel. Wenn die Tiger dem Rande des Waldes nahe kamen,suchte unser Hund, der vorher ununterbrochen bellte, heulend Schutz unterden Hängematten. Bisweilen kam das Geschrei des Tigers von der Höheeines Baumes herab. Es war dann stets von den klagenden Pfeifentönen derAffen begleitet, die der ungewohnten Nachstellung zu entgehen suchten.Fragt man die Indianer, warum in gewissen Nächten ein so anhaltender Lärmentsteht, so antworten sie lächelnd:Die Tiere freuen sich der schönen Mond-helle, sie feiern den Vollmond." Mir schien die Szene ein zufällig entstandener,lang fortgesetzter, sich steigernd entwickelnder Tierkampf. Der Jaguar ver-folgt die Nabelschweine und Tapirs, die dicht aneinander gedrängt das baum-artige Strauchwerk durchbrechen, welches ihre Flucht behindert. Davonerschreckt, mischen von dem Gipfel der Bäume herab die Affen ihr Geschreiin das der größeren Tiere. Die erwecken die gesellig horstenden Vogelge-schlechter, und so kommt allmählich die ganze Tierwelt in Aufregung. Einelängere Erfahrung hat uns gelehrt, daß es keineswegs immer ,,die gefeierteMondhelle" ist, welche die Ruhe der Wälder stört. Die Stimmen waren amlautesten bei heftigem Regengusse oder wenn bei krachendem Donner derBlitz das Innere des Waldes erleuchtete. Der gutmütige, viele Monate schonfieberkranke Franziskanermönch, der uns durch die Katarakten von Aturesund Maypures nach San Carlos des Rio Negro, bis an die brasilianische Grenze,begleitete, pflegte zu sagen, wenn bei einbrechender Nacht er ein Gewitterfürchtete:Möge der Himmel, wie uns selbst, so auch den wilden Bestiendes Waldes eine ruhige Nacht gewähren 1" (Alexander von Humboldt, An-sichten der Natur, 1808.)

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