der Riesenstadt der vorweltlichen Gebirge, erscheinet hier wie Thor und seineGefährten in der Erzählung der jüngeren Edda, als sie, aus Asgard wandelnd,die Stadt des Locke besucht, in deren Inneres sie durch die Klüfte und Spaltender verschlossenen Pforten hineingedrungen, und deren Höhe sie nur zumBoden gestreckt erkennen konnten, und es scheint allerdings jene sinnvolleSage das Verhältnis des jetzigen „Gottes" der Erde zu den alten riesenhaft über-legenen Naturkräften der Urwelt andeuten zu können.
Dennoch wird schon in den drei Hauptteilen des ältesten Granites: Feldspat,Glimmer und Quarz die Richtung nach den drei Naturreichen, in welche sichdie jetzige heitere Welt der Erdoberfläche teilt: Tier-, Pflanzen- und Steinreich,anerkannt, und es zeugen mannigfache Spuren, welche eine allbewegendeNaturkraft an den Schichten und Umrissen jener alten Erdfesten zurückge*lassen, von einem das Leben einer neuen Welt über den Trümmern der unter-gegangenen alten herbeisehnenden Geiste, welcher einst über den milderndenund bergenden Gewässern der Tiefe geschwebt und hier der jetzigen Weltzeitihre Stätte bereitet. (Gotthilf Heinrich Schubert, Allgemeine Naturgeschichte,1826.)
REICH DER STEINE
Wie sich noch in unserer jetzigen Natur die zahllosen Kristalle des Schneesin Jahreszeiten und in Regionen erzeugen, welche dem Gedeihen der Wärmebedürftigen Pflanzen und Tiere nicht günstig sind, so hat sich auch der beiweitem größeste Teil der Gesteine mit allen seinen tausendfältigen, verschie-denen Gestalten in einer Zeit gebildet, welcher die aus einer oberen Region her*stammende Form der Pflanzen und des Tieres noch unbekannt gewesen. Es hatdie alte Mutter, aus welcher die gedankenvollen Gestalten der Vorwelt hervor-gegangen, vorlängst aufgehört zu gebären, und wie an einem dem Absterbennahen Baume öfters zuletzt nur noch einige einzelne, äußerste Zweige eingrünendes Gewächs entfalten, während der Stamm und die größesten Ästeschon größtenteils dürre geworden, so hat sich auch jene gestaltende Kraft,welche in geometrischen Hieroglyphen die Geschichte einer dem Menschen un-bekannten Vorzeit erzählet, zuletzt nur noch in die Kristalle - gebärendenSalzgewässer und in die Schneeregion der äußersten Höhen zurückgezogen.Allerdings beginnt erst da, wo die Lebensfülle des Gefühles aufhöret und derwarme, lebengebärende Sommer eines übermächtigen Begehrens endet, diekalte, berechnende Reflexion, und das Leben beuget sich zuletzt unter die ewigunbesiegte Notwendigkeit des Todes, es wird aber gerade da, wo der einzelnebeschränkte Wille, wo die endliche Liebe aufhöret zu wirken, der Aufgang eineshöheren, vollkommneren Willens gefunden, und das sterbende Einzelnesinket in die Arme einer allgemeinen, allumfassenden, auf die Zeit des Neu-gebärens alles Alten sinnenden Liebe. Es ist die Isis selber, welche den Leich-nam des verstümmelten Toten umschwebet oder den schlafenden Horus inihren Armen trägt, und ein aufmerkender Verstand wird da, wo das hieniedenunstäte Leben verstummet, am öftesten die Stimme einer ewigen Weisheit ver-nehmen. Nicht ein solches abgeleitetes Leben, welches, von dunklem Gefühlebewegt, die innre Lust durch lautes und dennoch unverstandenes Blöken oder
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