STUFENWEISE GESTALTUNG DER ERDRINDE
Es ist nur die äußerste Rinde unseres Planeten, welche den Menschen und dieganze zu ihm gehörige Welt angehet und welche ihn nährt und erhält, denndurch eine feste, mächtige Scheidewand von der unbekannten Tiefe geschieden,empfängt jener Herrscher der jetzigen Erde seine tägliche Nahrung von denPflanzen und Tieren, welche die obere Wärme der Sonne zum Leben wecket,und welche gleich ihm ein oberes, atmosphärisches Wasser der Quellen tränket,ja, selbst das Salz, womit der Mensch seine Speisen würzet, ist in den Gewässernder Oberwelt erzeuget. Das verborgene Innere der Erde wirket aber zunächstund nach dem, was vor Augen liegt, auf den Menschenleib nur ebenso wie aufden leblosen Stein zu seinen Füßen: durch die zum Boden ziehende allgemeineSchwere ihn hemmend und haltend, und das Feuer der Tiefe wirket auf dieobere Welt entweder gar nicht oder nur zerstörend. Sparsam aber entsteigenden Klüften nur noch jene wunderlich belebenden Dämpfe, welche (eineLebensluft der Tiere) nach der Sage des Altertums eine prophetische Begeiste-rung, freilich von anderer Art als die der oberen Welt, wirken, zugleich aberöfters verheerende Seuchen gebären, obwohl sie auch, mit dem Element desnach seiner oberen Heimat zurückkehrenden Wassers vermischt, öfters zurwohltätigen Heilquelle werden.
So ist denn jene ganze Welt, welche unterhalb der Erdrinde verborgen liegt,für den Menschen und seine Mitwelt wie gar nicht vorhanden, und wo sie auchnur in einzelnen schwachen, verlorenen Strahlen auf die Oberfläche heraus-dämmert, zeigt sie sich zu dieser in solcher riesenhaften und allzerstörendenÜbermacht, daß hieraus erkannt wird: jene uralte, wohltätig verhüllte, innerePlanetenwelt ist für den Menschen und alle um ihn lebenden Wesen nicht da-gewesen. Ihre Geschichte fällt in ein vorweltliches Dunkel zurück, welches▼on dem, was wir Zeit nennen, nicht berührt wird.
Es wird demnach ein Freund und Forscher der alten Rätsel seiner Sichtbarkeitgar bald in den oben erwähnten Urgebirgen, welche als früheste Grundfestedas übrige jüngere Felsengezimmer der Erdrinde tragen, die äußerste und letzteGrenze anerkennen müssen, an welcher die Geschichte der dem Menschen be-kannten und für ihn in näherem Sinne vorhandenen Erde ihren Anfang nimmt.Aber selbst diese riesenhaften Trümmer einer Aeonen lang im Gewässer ver-borgenen Urwelt sehnen sich bis jetzt vergeblich nach einer Lösung ihres altenRätsels durch jenes Auge, wodurch die Natur sich selber erkennet und betrachtet,den Geist des Menschen. Denn die jetzige Weltzeit, jenen Trümmern gegen-über, bekennet bald: siehe mein Vater, welcher deinen Aeonen um Jahr-tausende näher gewesen denn ich, ist seit gestern begraben, er aber wie ichkennen dich nicht, denn wir sind nicht Propheten, welche im Geiste Zeugen ge-wesen, als dein Fuß über der Kampfstätte des Wassers mit dem Feuer gegründetworden, sondern Hirten, welche die Tiere des Feldes hüten und Maulbeerenablesen, die heute sind und morgen vergehen.
Der jetzige Herrscher der Erde oder vielmehr eines kleinen Teiles ihrer oberenRinde — der Mensch, wenn er aus der flachen Ebene, in welcher er, wenn nichtdas Meer ihn bedränget, allerdings den Zwingherren spielt, hinaufkommt nach
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