gedrückten Saaten bewiesen. Während dieses Kampfes bildete sich in denimmer schwärzer werdenden Wolken, welche zugleich von Blitzen durch-kreuzt wurden, gegen die Ostseite des Horizontes eine anfangs lichte, danndunkle und undurchsichtige Säule, die im Durchmesser zwanzig und mehr Klafterhielt und sich wirbelnd von der Erde bis an die tief herabgesunkenen Wolkenemporhob. Diese Windhose nun wütete fürchterlich in den Feldern, nahmSteine, Sand und Erde teils mit sich fort, teils schleuderte sie solche wiedervon sich und rückte unter einem dumpfen Geräusche gegen Osten fort. Durchdie Brechung und Zurückwerfung der von Westen auf diese Staubsäulekommenden Sonnenstrahlen erhielt sie das Ansehen einer Feuersäule, vonwelcher auch die Wolken gerötet wurden. Da zu gleicher Zeit auch Donner-schläge sich hören ließen, so eilten die Bewohner der benachbarten Ortschaftenmit ihren Feuerspritzen herbei.
Eine Viertelstunde weit von den Krziwoschiner Feldern, wo eigentlich dasschreckliche Schauspiel begann, setzte sich die Feuersäule auf ein Blachfeldund wütete von neuem. Mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit bewegte siesich bald wagrecht, bald senkrecht im Kreise, sprühte feurige Strahlen undwühlte in der Erde, die sie emporriß und mit welcher sie Steine von mehrerenPfunden, gleich Raketen zischend in die Wolken schleuderte. Dieses Tobenhatte 15 Minuten angehalten, als sich in der Mitte der Windhose von obenherab ein silberweißer Streif in Gestalt eines Trichters bildete, dessen Spitzegegen die Erde gerichtet war. Dieser Streif zog sich mehrere Male zurückund verschwand endlich ganz.
Nach dieser fast Dreiviertelstunden dauernden Erscheinung setzte sich dieWindhose von neuem in Bewegung, während im Hintergrunde derselben derprächtigste Regenbogen sichtbar wurde und gleichsam eine Brücke über dieriesenhafte Säule bildete. Zu gleicher Zeit fuhren aus den teils schwarzen,teils von der feurigen Säule geröteten Wolken heftige Blitze in Begleitungstarker Donnerschläge hervor. Langsam zog sich nunmehr das einem feuer-speienden Berge nicht unähnliche Phänomen gegen den Galgenberg beiGistebnitz, von welchem die Beobachter durch einen Sand- und Steinregenvertrieben wurden. Hier verwandelte sich die Feuersäule in eine Staubwolke,die über den Galgenberg weg nach Gistebnitz zog, wo sie Dächer abtrug,Obstbäume teils brach, teils mit den Wurzeln aus der Erde riß und im Vorbei-streichen das Laub an den Bäumen versengte. Nun setzte ein Regen vonSand, Erdklumpen, Baumästen, Staub, Getreide, Holz, Schindeln und Steinendie Bewohner von Gistebnitz in den größten Schrecken, der durch das immernoch fortdauernde Blitzen, Donnern und Hageln aufs höchste gesteigertwurde. Hagelkörner von der größten Art, ja, rogar ganze Eisklumpen von 2 bis3 Pfund Schwere stürzten herab und zerschlugen alle Dächer und Fenster.In Prag sah man zu der nämlichen Zeit gegen Osten hin furchtbar schwarzeWolken, welche ein verheerendes Gewitter drohten, das aber nicht herankam.(Johann Gottfried Sommer, Gemälde der physischen Welt, 1826/1831.)
Wolters, Der Deutsche. V. 1 __
33