Wind wieder mit solcher Gewalt ein, daß bei der 105. und weiterhin bei der11. Bayerischen Division auch die schweren Motorboote Havarien erlittenund zeitweise den Dienst aufgeben mußten. Bei dem hohen Wasserstandeder Donau war die Wellenwirkung besonders groß, kurze hohe Wellen wurdenvon dem heulenden Sturmwind stromauf gepeitscht und brachten die ge-wöhnlichen Fähren in Gefahr zu kentern oder überspült zu werden. Nur dieLandungskompagnie mit ihren hochbordigen Booten, ihren kräftigen Dampf-barkassen und ihrer tüchtigen Mannschaft hielt den Verkehr bei den dreiDivisionen mit großer Anstrengung aufrecht, doch brauchte sie zu jeder Fahrtwenigstens eine Stunde, ganz abgesehen von der Langsamkeit des sorgfältigenVerstauens und Verkeilens der Gerätschaften und Wagen für die bewegteFahrt; auch fuhr sie nur mit halber Ladung und konnte an ein Übersetzenvon Pferden gar nicht denken. In zwei Nächten aber mußte sie wegen derübermächtigen Wirbel des Sturmes den Verkehr bei den Übersetzungsstellender 105. und selbst der 107. Division gänzlich einstellen.Zu der Ungunst der für diese Jahreszeit außerordentlich stark einsetzendenKosova kam noch eine andere ungewöhnliche Erscheinung. Die Kosovaist nämlich sonst ein warmer trockener Wind, der bei bedecktem Himmeldie Wolken vertreibt; diesmal war sie von kalten Regenschauern begleitetund schüttete bald Staub, bald Regen wechselnd auf die lagernden und über-setzenden Truppen.
Während die Pioniere so auf dem Nordarm der Donau auf Barkassen undBooten gegen Wind und Wogen kämpften, um die Kolonnen rechtzeitig aufdie Insel zu bringen, hatten sie auf dem Südarm die gefährdeten Brückengegen die gleichen Elemente zu verteidigen. Auch hier zeigte sich der Unter-schied in der Wirkung des Sturmes auf die Ost- und Westhälfte der Insel.Während der Strom bei Kostolac verhältnismäßig ruhig blieb und der Ver-kehr auf der Brücke der 105. Division kaum beeinträchtigt wurde, über-schwemmte das stromaufgedrängte Wasser die Brücke der Bayern bei Rusin-Ada an vielen Stellen: Wind- und Wogendruck bedrängten sie derart, daßsie mühsam standhielt und nur unter ständigem Einsatz einer ganzen Pionier-kompagnie, welche fortgesetzt die Zerstörungen ausbessern mußte, erhaltenwerden konnte. In der Nacht des 16. Oktober wurde sie vollends unbenutz-bar, weil der hochüberschwemmte Landstoß durch Pontons ersetzt werdenmußte. Unter solchen Umständen war es weder bei Rusin-Ada noch auchbei Kostolac möglich, die Pontonbrücken schon durch feste Kolonnen-brücken zu ersetzen, wie das Generalkommando kurz vor Ausbruch desSturmes befohlen hatte: weder reichten die übermüdeten Kräfte der Pioniereaus, noch war das in Kevevara lagernde Behelfsmaterial schon in genügenderMenge herbeigeschafft, noch konnte vorläufig die ungewöhnliche Wassertiefeanders als durch schwimmende Unterlagen überbrückt werden. Vier Tageund Nächte wütete der Sturm ununterbrochen. Erst am 17. Oktober schwächteder Wind ab, wenn auch noch hoher Wellengang auf dem Strome blieb, undes trat nun ein Wechsel von fast windstillen kalten Tagen und stürmischenregnerischen Nächten ein. (Friedrich Wolters, Der Donauübergang und derEinbruch in Serbien im Herbst 1915, 1925.)
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