URSPRUNG DER DEMOKRATIE IN AMERIKA
Im Jahre 1773 fielen in Boston die ersten eigentlichen Feindseligkeiten zwi-schen den Engländern und Amerikanern vor, und schon 1774 im Septemberward der erste Kongreß der Freiheit in Philadelphia von 51 Mitgliedern und11 Provinzen gehalten. Hier war es, wo die merkwürdige sogenannte Er-klärung der Rechte oder die abstrakte Bestimmung über den Menschen alsGlied des Staats erlassen wird, die vielleicht für Amerika als werdenden Staatpaßte, für alle Staaten aber, die eine Geschichte haben, stets eine reine undnackte Spekulation bleibt. Diese Erklärung wurde in ganz Europa mit Jubelaufgenommen, Frankreich und sogar Spanien erlaubten, daß man sie über-setze, bekanntmache, billige, erweitere, erläutere, daß sie in Journale, Zei-tungen, Bücher und Systeme übergehe; alles, um England zu schaden.Von nun an erscholl in ganz Europa der Name Freiheit, der den Unverstän-digen mit Frechheit gleichbedeutend ist und für sie in seiner größten Un-bestimmtheit stets den größten Reiz hat, und zugleich setzte der Enthusias-mus der Amerikaner alle Welt in Erstaunen, weil sie den Engländern, dieganz Europa fürchtete, sich gewachsen zeigten. Jefferson, Adams, Franklinfaßten mit einer bewundernswürdigen Kunst im Juli 1776 die Akte der Un-abhängigkeitserklärung und die derselben vorangeschickte Einleitung ab,die wie ein Manifest gegen jede nicht demokratische Regierung lautet. Waswar natürlicher, als daß sich von allen Seiten Stimmen gegen monarchischeRegierungen erhoben? Es zeigte sich nun erst der Einfluß der Lehre Rous-seaus; jetzt schien den Philosophen seiner Schule die Zeit gekommen, woihre utopischen Träume im Lande der Wirklichkeit ihr Dasein erhalten wür-den, und alle Edlen, alle zartfühlenden Seelen, alle tonangebenden Weiber,in Frankreich besonders, harrten ungeduldig der bessern Zukunft. DiesenEnthusiasmus vermehrte in Paris und in ganz Europa Franklin, als er 1777nach Frankreich geschickt wurde, um zu bewirken, daß der König den neuenStaat der vereinigten Provinzen als Republik anerkenne. Um ihn versammeltesich in Paris die ganze gebildete Welt, er ward ein Orakel und vereinigte denWeltmann mit dem Äußern des strengen Republikaners und Quäkers. Nochehe sich der Hof für Amerika erklärte, strömten die edelsten jungen Männer,vom Enthusiasmus getrieben, in das gepriesene Land der Freiheit, um für dieerwartete goldene Zeit zu fechten, und unter ihnen opferte Lafayette einenTeil seines Vermögens der damals am Hofe ebenso gepriesenen, als nachherverwünschten Mischung von Eitelkeit und Humanität in seinem Charakter.Schon am Ende 1777 erkannte Frankreich die Unabhängigkeit der VereinigtenStaaten an, im Februar 1778 schloß es mit der neuen Republik einen Hand-lungs- und Freundschafts-Traktat und unternahm einen Krieg, der seine schonunerträgliche Schuldenlast um 15—18 Millionen Franken vermehrte. DerKrieg brachte in dem Heer, das man nach Amerika geschickt hatte, hernachTausende von Menschen nach Europa, die mit dem größten Widerwillengegen das Regierungssystem ihres eignen Vaterlandes erfüllt waren. Allefranzösischen Soldaten, die mehrsten Offiziere, die von 1778 -1783 im ame-rikanischen Kriege gedient hatten, verbreiteten im Vaterlande die Ideen des
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