seiner Staatsschuld, seinen Fabriken, seiner Aristokratie, mit seinem Reich-tum und seiner Armut zu erhalten und zu tragen. Ein so rastloses Arbeiten,alles auf sich und sich auf alles Beziehen, ein so riesenhaft umfassendes Be-dingtsein durch alle Länder, alle Völker, alle Überflüsse und Bedürfnisse allerZonen, einen solchen Kosmopolitismus des Eigennutzes und der Ausschließ-lichkeit — die Jahrtausende der Weltgeschichte haben nichts Ähnliches ge-sehen, und nur in dem völligen Gegensatz, in der ebenso unerhörten Riesen-haftigkeit der napoleonischen Größe findet sich ein Vergleichbares. (JohannGustav Droysen, Vorlesungen über das Zeitalter der Freiheitskriege, 1846.)
ELISABETH VON ENGLAND
Elisabeth gehörte zu den Fürsten, die sich im voraus über die Pflichten derRegierung einen Begriff gebildet haben. Vier Eigenschaften, sagt sie einmal,seien ihr dazu notwendig erschienen: Gerechtigkeit und Mäßigung, Großmutund Urteil: — der beiden ersten dürfe sie sich rühmen: nie habe sie bei gleichemRecht einen vor dem andern begünstigt, nie habe sie einem ersten Bericht ge-glaubt, sondern bis zur vollen Kenntnis an sich gehalten: — die beiden andernwollte sie sich nicht anmaßen; denn es seien Tugenden der Männer. Eben dieseaber schrieb ihr die Welt in hohem Grade zu. Ihr feines Urteil erblickte manin der Wahl ihrer Diener und der Verwendung derselben zu solchen Diensten,zu denen sie eben am geschicktesten seien. Ihre Hochherzigkeit sah man inder Verachtung kleiner Vorteile und ihrem unerschütterlichen Gleichmut inder Gefahr. Während des aus Spanien daherziehenden Ungewitters habe mankeine Wolke auf ihrer Stirn gesehen: durch ihre Haltung habe sie Adel undVolk belebt, ihre Räte beseelt. Man rühmte an ihr beides: eifrige Teilnahmean der Beratung und Sorgfalt, daß das Beschlossene ins Werk gesetzt werde.Das Ideal einer Herrscherin dürfte man auch in Königin Elisabeth nichtsuchen. Niemand könnte die Härten in Abrede stellen, die unter ihrer Re-gierung selbst mit ihrem Vorwissen begangen worden sind. Jene systematischeHeuchelei, die man ihr schuld gibt, mag als eine Erfindung ihrer Feinde oderder nicht von Grund aus unterrichteten Historiker erscheinen; sie erklärtselbst Wahrhaftigkeit für eine dem Fürsten unentbehrliche Eigenschaft;aber auch bei ihrer Staatsverwaltung kommen, wie bei den meisten andern,Argumentationen vor, welche die Wahrheit mehr verhüllen als ausdrücken;bei jedem ihrer Worte und Schritte nimmt man die Berechnung dessen, waszu ihrem Vorteil dient, wahr; sie zeigt treffende Voraussicht und selbst einenatürliche Verschlagenheit. Elisabeth war sehr zugänglich für Schmeicheleiund durch ein angenehmes Äußere ebenso leicht bestochen, wie durch zufälligekleine Mängel zurückgestoßen; sie konnte bei einem Wort auffahren, das siean die Vergänglichkeit der menschlichen Dinge oder an ihre eigene Hinfällig-keit mahnte: Eitelkeit begleitete sie von Jugend an bis in ihre hohen Jahre,die sie nicht bemerken noch bemerkt wissen wollte. Gute Erfolge liebte siesich selbst anzurechnen: Mißlingen schrieb sie ihren Ministern zu; den Haßfür unliebsame oder ihr zweifelhafte Maßregeln sollten diese auf sich nehmen:und wenn sie dies einmal nicht ganz im Einklang mit ihrer Stimmung taten,
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